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Geschichte

Seit 1988 werden in Deutschland professionell Autos geteilt

Geschichte

Was damals als Praxistest im Rahmen einer Doktorarbeit begann, ist heutzutage aus der Verkehrslandschaft nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile sind mehr als 2 Millionen Kunden in 677 Städten und Gemeinden bei den rund 165 CarSharing-Anbietern angemeldet.

Abb. 1: CarSharing feiert sein 30. Jubiläum in Deutschland.

Am 10. Juni 1988 wurde in Berlin die CarSharing-Initiative stadt-AUTO gegründet. Zu Beginn teilten sich fünf Personen ein Auto. Das Projekt war ursprünglich ein Feldversuch für eine wissenschaftliche Dissertation. Das Berliner Modell fand schnell Nachahmer in vielen Städten Deutschlands. Bereits 1990 gab es CarSharing-Initiativen auch in Aachen und Bremen, ein Jahr später in Hamburg, Freiburg, Dortmund, Düsseldorf, Kassel, Gießen, Franken und Frankfurt am Main. 1998, nur zehn Jahre nach Beginn des Autoteilens, gab es deutschlandweit bereits 100 CarSharing-Anbieter. Mittlerweile sind es 165.

Abb. 2: CarSharing von 1988 bis 2018 - die komplette Timeline öffnet sich durch Klick auf das Bild

Die Entwicklung der Angebotsformen

Die ersten CarSharing-Angebote waren stationsbasiert. Beim stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge an festen Stationen. Dort werden sie zu Beginn einer Buchung abgeholt und dorthin kehren sie am Ende der Buchung auch wieder zurück. Die Stationen befinden sich über die Stadt verteilt jeweils in Wohnortnähe der Kunden.

Das stationsbasierte Modell hat sich bewährt und ist heute in Deutschland vorherrschend. Mehr als 10.000 stationsbasierte Fahrzeuge stehen an rund 5.000 Stationen in 677 Städten und Gemeinden bereit. Die beiden größten Anbieter mit zusammen mehr als 4.000 Fahrzeugen sind stadtmobil und cambio. Daneben gibt es regionaler Marktführer, wie teilAuto in Ostdeutschland oder book-n-drive im Rhein-Main Gebiet.

20 Jahre nach dem ersten stationsbasierten Angebot kam das free-floating CarSharing auf die Straße. Im Jahr 2008 startete car2go in Ulm, zunächst als geschlossenes Angebot für Mitarbeiter der Daimler-Entwicklungsabteilung. Die Daimler-Tochter ist heute der größte Anbieter von free-floating CarSharing in Deutschland. 2011 zog BMW mit DriveNow nach. Beide Unternehmen bieten heute mehr als 7.000 Fahrzeuge in 7 deutschen Städten an.

Abb. 3: Stationsbasiertes und free-floating CarSharing unterscheiden sich in der Nutzung.

Im Gegensatz zum stationsbasierten CarSharing wird beim Free-floating das Fahrzeug nicht an eine Station zurückgebracht, sondern kann irgendwo im Geschäftsgebiet abgestellt werden. Kunden orten die Fahrzeuge über die App des Anbieters. Das System ermöglicht so One-Way-Fahrten, die weder mit dem privaten Pkw noch im stationsbasierten CarSharing möglich sind.

Kombinierte CarSharing-Systeme

Stationsbasiertes CarSharing und free-floating CarSharing haben einen höchst unterschiedlichen Kundenutzen: In free-floating Systemen müssen Kunden Buchungszeiten nicht im Voraus festlegen und One-Way Fahrten sind möglich. Dieser Convenience-Vorteil geht aber auf Kosten der Verlässlichkeit: Reservierungen sind beim Free-floating nur 20 Minuten im Voraus möglich. Zudem sind die Preise im Free-floating deutlich höher als im  stationsbasierten CarSharing. Als Folge davon werden free-floating Fahrzeuge fast ausschließlich für spontane innerstädtische Kurzfahrten eingesetzt. Stationsbasierte Fahrzeuge sind hingegen auch auf längeren Strecken im Einsatz, etwa für Ausflüge und Fahrten an Orte, wo der ÖPNV schlecht ausgebaut ist.

Der stark divergierende Kundenutzen der verschiedenen CarSharing-Varianten hat zur Erfindung der kombinierten CarSharing-Systeme geführt. stadtmobil Hannover bot 2012 mit „stadtflitzer“ erstmals sowohl stationsbasierte, als auch free-floating Fahrzeuge aus einer Hand an. Die Kunden konnten so vor jeder Buchung entscheiden, welche Variante am besten zu Ihrem jeweiligen Weg passt. Heute gibt es kombinierte CarSharing-Angebote in Essen (stadtmobil), Frankfurt am Main (book-n-drive), Mannheim und Heidelberg (stadtmobil), Kiel (Stattauto), Leipzig (teilAuto), und Osnabrück (Stadtteilauto). In kombinierten Systemen orientiert sich der Preis an den niedrigeren Preisen des stationsbasierten CarSharing.

Abb. 4: Preisvergleich stationsbasiertes CarSharing (stadtmobil) und Free-floating (car2go). Berechnet wurde jeweils der Preis der günstigsten Fahrt mit einem Kleinwagen im Standard- oder Basic-Tarif eines ausgewählten Anbieters ohne Rabatte inklusive Paket- und Tagespreise, sofern deren Nutzung vorteilhaft war. Erhebungsort: Frankfurt a.M. Erhebungszeitpunkt: November 2017 (Grafik: bcs)

Die CarSharing-Technik

Das gebuchte -Fahrzeug mit dem Handy oder der RFID-Karte zu öffnen ist für CarSharing-Kunden heute ganz normal. Denn das mobile Internet oder das Smartphone sind aus dem CarSharing nicht mehr wegzudenken. Aber das war nicht immer so. In den Anfängen mussten Kunden noch Fahrtenbuch führen.

Die Pioniere des CarSharing haben sehr früh erkannt, dass die Digitalisierung ihre Dienstleistung dramatisch verbessern kann. Der CarSharing-Bordcomputer – also die Grundlage für eine selbständige Öffnung des Fahrzeugs und die automatische Erfassung der Nutzungsdaten - wurde 1993 an der Universität Siegen erfunden und bereits 1994 erstmals von der Car Sharing Deutschland eG eingesetzt. Die erste Kommunikation von Bordcomputern und Buchungssystemen über das Mobilfunknetz erfolgte schon 1997.

Abb. 5: So funktioniert die Buchung und Nutzung eines CarSharing-Autos heute.

Warum Städte CarSharing fördern

Bereits 2005 beauftragte der Deutsche Bundestag mit Mehrheit von SPD und Grünen die Bundesregierung, eine gesetzliche Regelung zur Errichtung von öffentlichen CarSharing-Stationen zu entwickeln. Ein erster Gesetzentwurf scheiterte 2007 jedoch am Veto des Bundeswirtschaftsministeriums.

Erst 12 Jahre später, am 1. September 2017 trat ein Carsharinggesetz (CsgG) der Bundesregierung in Kraft. Das Gesetzt stellt erstmals die Einrichtung von CarSharing-Stellplätzen im öffentlichen Raum auf eine verbindliche Rechtsgrundlage. Es bildet die juristische Blaupause, nach der Städte und Kommunen das CarSharing nun fördern können. Als Begründung wird im Gesetz ausdrücklich die Verkehrs- und umweltentlastende Wirkung des CarSharing hervorgehoben.

Studien* belegen: Ein stationsbasiertes CarSharing-Fahrzeug ersetzt zwischen 8 und 20 private Pkw. Pro CarSharing-Fahrzeug werden so bis zu 99 Meter Straßenkante bzw. 228 qm Parkfläche autofrei. Die freigewordenen Flächen könnten in Grünflächen, Spielplätze und Fahrradwege umgewandelt werden. Damit die Entlastungsleistung jedoch sichtbar wird, muss zumindest ein Teil der Flächen auch wirklich umgewidmet werden. Denn wenn Städte- und Verkehrsplaner nicht aktiv werden, rücken andere private Pkw einfach nach und belegen den freigewordenen Parkraum.

Städte sollten CarSharing-Stellplätze im öffentlichen Raum fördern, damit CarSharing-Fahrzeuge möglichst nah am Kunden sind. Das macht die Nutzung der Fahrzeuge bequemer und führt dazu, dass mehr Menschen auf ein eigenes Fahrzeug verzichten können. Zudem sind die Angebote im öffentlichen Raum sichtbarer, was mehr Menschen dazu bewegt vom privaten Pkw auf CarSharing umzusteigen.

*Bundesverband CarSharing e.V. (2016): Mehr Platz zum Leben - wie CarSharing Städte entlastet; team red GmbH (2018): Analyse der Auswirkungen des Car-Sharing in Bremen

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PDF: Broschüre "30 Jahre CarSharing in Deutschland"