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CarSharing für Unternehmen 2005

CarSharing als Partner des betrieblichen Mobilitätsmanagements

CarSharing für Unternehmen 2005

Seit Juli 2002 arbeitet der CarSharing-Anbieter Stadtteilauto - CarSharing Münster GmbH sehr intensiv mit der Stadtverwaltung Münster zusammen. Im Rahmen des von der Stadt eingeführten betrieblichen Mobilitätsmanagements wurde ein Pool von zunächst 20 CarSharing-Fahrzeugen zur Verfügung gestellt, der montags bis freitags von 8 Uhr bis 16 Uhr ausschließlich von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung für ihre Dienstfahrten genutzt wird. Die abschließende Projektauswertung bilanziert die Auswirkungen dieser Zusammenarbeit aus der Sicht der Stadt und der städtischen Mitarbeiter.

Das Beispiel der Verwaltung der Stadt Münster

In großen Firmen und Verwaltungen stellt der firmeneigene Fuhrpark oft einen Kostenfaktor dar, der unnötige Kosten erzeugt, da der Umfang der Dienstwagenflotte an der Bedarfsspitze ausgerichtet ist und die Fahrzeuge häufig zu wenig effizient genutzt werden. Welche finanziellen und sonstigen Nutzen erzielt werden können, wenn anstelle der üblichen Dienstwagenregelung in einer Verwaltung ein Full-Service-Dienstwagenpool von einem örtlichen CarSharing-Anbieter angeboten und in ein betriebliches Mobilitätsmanagement eingegliedert wird, untersucht der vorliegende Bericht. Er wurde von der Beratungsfirma Logiball GmbH im Auftrag der Stadt Münster erstellt. Der Bericht betrachtet dabei ausschließlich die Ebene der Verwaltung als Kooperationspartner des CarSharing-Anbieters.

Seit 1999 hat die Stadt Münster an einem Konzept zur Neuausrichtung der betrieblichen Mobilität in der Stadtverwaltung gearbeitet. Im Juli 2002 wurde am neu errichteten Stadthaus 3 ein Dienstfahrzeugpool mit 20 CarSharing-Fahrzeugen eingerichtet, die Anzahl ist inzwischen auf 13 zurückgenommen worden. Diese werden montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 16 Uhr (freitags bis 13 Uhr) ausschließlich den städtischen Bediensteten angeboten und stehen in der übrigen Zeit allen Kundinnen und Kunden von Stadtteilauto Münster zur Verfügung. Im April 2004 wurde eine vergleichbare Regelung mit fünf Fahrzeugen auch am Stadthaus 2 eingeführt. Seit Mitte 2004 wurde die zunächst vereinbarte pauschale Vergütung der CarSharing-Poolfahrzeuge durch eine ausschließlich nutzungsabhängige Vergütung ersetzt.

Die Fahrzeuge aus dem Stadtteilauto-Pool werden vorwiegend denjenigen städtischen Mitarbeitern angeboten, die vorher ihren Privat-Pkw weniger als 4.000 km im Jahr für dienstliche Fahrten nutzten. 22 stadteigene Dienstfahrzeuge (ohne spezielle Einbauten und Ausrüstungen) stehen parallel dazu für die Dienstfahrten der Mitarbeiter zur Verfügung, die mehr als 4.000 km Pkw-Fahrleistungen pro Jahr für dienstliche Zwecke absolvieren. Etwaig auftretende Kapazitätsengpässe werden mit zusätzlichen CarSharing-Fahrzeugen aus der Stadtteilauto-Flotte abgedeckt.

Parallel mit der Einführung dieser Regelung wurde eine Parkraumbewirtschaftung für die Stellplätze auf städtischen oder von der Stadt angemieteten Flächen eingeführt. Wegen der Transparenz der neuen Regelung ist die Akzeptanz bei den städtischen Mitarbeitern hoch.

Die Kennwerte der betrieblichen Pkw-Nutzung durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung an den untersuchten Standorten haben sich wie folgt entwickelt: Die betriebliche Nutzung der Privat-Pkw betrug 1998 1.762.000 km und im Jahr 2001 noch 1.368.128 km. Nach Einführung der Maßnahme sank die dienstliche Nutzung der privaten Pkw und der CarSharing-Poolfahrzeuge im Jahr 2004 auf zusammen 1.011.439 km. Das entspricht einer Reduzierung der Pkw-Fahrleistungen für dienstliche Zwecke um 750.000 Jahreskilometer oder um ca. 42 %. Dadurch konnten jährlich 135 t CO2-Emissionen eingespart werden. Allerdings sank in dem betrachteten Zeitraum auch die Mitarbeiterzahl in den betroffenen Ämtern von 647 (1998) über 572 (2001) auf 495 (2004). Nicht alle beobachteten Effekte sind also auf das betriebliche Mobilitätsmanagement der Stadtverwaltung zurückzuführen.

Die Kosten, die von der Stadt Münster für die Dienstfahrten ihrer Mitarbeiter aufgewendet werden, haben sich um 370.000 Euro verringert. Diese Summe teilt sich auf folgende Teilbeträge auf:

 

Kosten 1998

Kosten 2004

Städtische Dienstfahrzeuge

199.404 Euro

209.522 Euro

Fahrten Privat-Pkw und für 2004 zusätzlich Pool-Fahrzeuge

487.095 Euro

368.608 Euro

Stellplatzkosten

429.485 Euro

167.760 Euro

Gesamtkosten

1.115.984 Euro

745.890 Euro

Minderaufwendungen (jährlich)

 

370.094 Euro

Stellplatzeinnahmen durch Parkraumbewirtschaftung Stadthaus 2 und 3

0 Euro

23.580 Euro

 

Obwohl die durchschnittliche Auslastung der 22 stadteigenen Dienstfahrzeuge nach Umsetzung des betrieblichen Mobilitätsmanagements gestiegen ist und die durchschnittliche Fahrleistung von 5.800 km um ca. 200 km anstieg, besteht hier weiterhin Optimierungsbedarf. Stichprobenauswertungen der 16 dem Tiefbauamt zugeordneten Dienstfahrzeuge ergaben beispielsweise, dass selbst in den Spitzenstunden an lediglich vier Tagen des Monats Dreiviertel der Fahrzeuge gleichzeitig genutzt wurden.

Demgegenüber sind die dienstlich bedingten Auslastungen der Stadtteilautos wesentlich höher, wozu auch das Buchungssystem des CarSharing-Betreibers bzw. die Notwendigkeit der Buchung beitrug. 2003 haben 133 Mitarbeiter die 13 CarSharing-Poolfahrzeuge am Stadthaus 3 und 45 Mitarbeiter die fünf Pool-Fahrzeuge am Stadthaus 2 genutzt. Je Dienstfahrt wurden durchschnittlich 24,8 km (Stadthaus 3) bzw. 26,3 km (Stadthaus 2) zurückgelegt. 80 % der Fahrten der technischen Ämter dauerten weniger als drei Stunden, während die Fahrten der sozialen Ämter etwas länger (Durchschnitt 3 Stunden 30 Minuten) dauern. Im CarSharing-Pool wurden durchschnittliche Kilometerkosten von 0,56 Euro verursacht. Jedes Fahrzeug aus dem Pool am Stadthaus 3 wurde im September 2003 im Mittel 1,66 Mal am Tag von den Mitarbeitern der Stadt gebucht.

Im Anschluss an die Blockbuchung der städtischen Verwaltung zwischen 8 und 16 Uhr werden die Poolfahrzeuge im normalen CarSharing-Betrieb an Privatkunden vermittelt. Hier hält sich die private CarSharing-Nutzung durch städtische Mitarbeiter sehr in Grenzen. Zufriedenstellend ist allerdings die private Nutzung der Fahrzeuge an den Wochenenden (durch andere CarSharing-Nutzer), so dass sich insgesamt eine sehr gute Wochenauslastung ergibt. In den Ferienzeiten werden einige Poolfahrzeuge nach Absprache mit der Stadt aus dem Pool ausgegliedert und für Urlaubsfahrten der privaten CarSharing-Teilnehmer freigegeben. Insgesamt wurden im Jahr 2003 zusätzlich zu den städtischen Dienstfahrten während der Blockzeiten weitere 1.100 CarSharing-Fahrten mit einer Gesamtkilometerleistung von 172.000 km unternommen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die unterschiedlichen Nutzungsmuster der gewerblichen Nutzung durch die Stadtverwaltung und der privaten Buchungen am Abend und an den Wochenenden sich sehr gut ergänzen und zu einer sehr guten Auslastungseffizienz der CarSharing-Fahrzeuge führen.

Wie hat sich durch die Einführung des betrieblichen Mobilitätsmanagements die Verkehrsmittelwahl bei den dienstlichen Wegen der städtischen Mitarbeiter verändert? Der Anteil an Pkw-Fahrten hat sich bei den Mitarbeitern im Stadthaus 2 von 30 % auf 20 % gemindert, dementsprechend stieg der Anteil der Fahrten mit dem Umweltverbund um 10 Prozentpunkte auf 80 %. Bei den Mitarbeitern im Stadthaus 3 blieb der Pkw-Anteil mit 42 % (vorher) gegenüber 46 % (nachher) annähernd konstant.

Wegen unterschiedlicher Fragestellungen bzw. Auswahlkriterien lassen die Antworten zur Verkehrsmittelwahl der städtischen Mitarbeiter auf dem Weg von und zum Arbeitsplatz keine Rückschlüsse auf den Einfluss des betrieblichen Mobilitätsmanagements zu. Festzuhalten ist lediglich, dass im Jahr 2000 der Pkw-Anteil am Arbeitsweg mit ca. 70 % sehr hoch lag, während 2004 nur noch knapp 20 % der Arbeitswege mit dem Pkw zurückgelegt wurden.

Zusammenfassend belegt die Studie eindrucksvoll, dass sowohl die Stadtverwaltung von der Zusammenarbeit mit dem örtlichen CarSharing-Anbieter profitiert und durch die Gesamtwirkung der Maßnahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements eine erhebliche Kostenreduktion und ein Effizienzgewinn bei der Fahrzeugauslastung erzielt werden konnten. Auch die Umwelt profitiert von diesen Maßnahmen, da durch die massive Reduzierung der Privatwagennutzung für Dienstfahrten der Anlass verschwunden ist, mit seinem Privat-Pkw zur Arbeit zu kommen. Zum anderen steht mit den werktäglich von der Stadt genutzten CarSharing-Poolfahrzeugen an den Wochenenden und in der Urlaubszeit ein zusätzliches attraktives Angebot für die private CarSharing-Nutzung zur Verfügung.

Willi Loose, 11.07.2007 

Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt (Hrsg.) (2005): Betriebliches Mobilitätsmanagement der Stadtverwaltung Münster. Projektauswertung und Handlungsempfehlungen. Reihe Beiträge zur Stadtforschung, Stadtentwicklung, Stadtplanung, Heft 1/2005. Münster