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Presseerklärung

CarSharing in Deutschland: Verkehrsentlastend und nachhaltig

Presseerklärung

Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney zum CarSharing findet in der deutschen Presse zurzeit viel Beachtung. Der Bundesverband CarSharing e.V. nimmt zu dieser Studie wie folgt Stellung:

  • Das Papier der Unternehmensberatung A.T.  Kearney ist keine Darstellung des deutschen CarSharing-Marktes. Es handelt sich vielmehr um eine Auseinandersetzung mit ShareNow, dem CarSharing-Angebot der beiden Automobilkonzerne Daimler und BMW, sowie den ähnlich gelagerten Nachfolgeprodukten der Konzerne Volkswagen (WeShare) und Sixt (Sixt share). Der Zuschnitt der Angebote der genannten Anbieter ist nicht repräsentativ für das CarSharing in Deutschland.
  • Die von A.T. Kearney gezogenen Schlüsse bezüglich der Entlastungswirkung des CarSharing treffen auf die Anbieter ShareNow, WeShare und Sixt share möglicherweise zu. Für die übrigen rund 170 CarSharing-Anbieter in Deutschland sind sie hingegen irrelevant.
  • Das Papier von A.T. Kearney wird in einigen Punkten bereits von der Realität widerlegt und fällt in mehreren Punkten hinter den aktuellen Forschungsstand zum CarSharing in Deutschland zurück.

Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Thesen der Berater finden Sie hier.


Der Bundesverband CarSharing e.V. widerspricht insbesondere den Thesen der Unternehmensberater zur verkehrsentlastenden Wirkung des CarSharing:

"CarSharing führt nachgewiesenermaßen zur Abschaffung privater Pkw und trägt zu mehr Lebensqualität in den Städten bei. Das gilt aber nicht für jede CarSharing-Variante. Während die verkehrsentlastende Wirkung stationsbasierter und kombinierter CarSharing-Angebote erwiesen ist, zeigen sich beim reinen free-floating CarSharing Defizite."

Stationsbasierte und kombinierte CarSharing-Systeme wie etwa stadtmobil, cambio, teilAuto oder book-n-drive bringen die Verkehrswende nachgewiesenermaßen voran. Das zeigen verschiedene aktuelle Studien. Im Rahmen des von der Europäischen Union finanzierten Forschungsprojekts STARS wurde ermittelt:

  • Über 80 Prozent der Haushalte, die in innerstädtischen Wohnquartieren von Frankfurt, Köln und Stuttgart wohnen und stationsbasierte oder kombiniertes CarSharing nutzen, besitzen kein eigenes Auto mehr.
  • Pro 1.000 Personen besitzen Haushalte, die stationsbasiertes oder kombiniertes CarSharing nutzen, nur noch rund 100 Pkw. Ihr Autobesitz liegt damit bereits unter der Zielmarke von 150 Pkw pro 1.000 Personen, die das Umweltbundesamt für einen klima- und umweltgerechten Stadtverkehr der Zukunft empfiehlt.
  • Verglichen mit einem Zeitpunkt vor der Anmeldung zum CarSharing ist der Autobestand in den Haushalten, die stationsabsiertes und kombiniertes CarSharing nutzen, um 66 Prozent gefallen.

Ganz andere Ergebnisse stellt die Studie allerdings bei den Nutzer*innen von free-floating CarSharing fest, wie es beispielsweise ShareNow betreibt: Hier liegt der Anteil autofreier Haushalte bei lediglich 32 Prozent. Auf 1.000 Personen kommen erhebliche 485 private Pkw - genauso viele, wie in den Haushalten, die kein CarSharing nutzen. Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverband CarSharing e.V. kommentiert:

"Bei der Verkehrsentlastung gibt es nicht DAS CarSharing. Die verschiedenen Varianten wirken unterschiedlich. Sie müssen deshalb auch differenziert beurteilt werden. Die Berater von A.T. Kearney haben sich mit dem verkehrswissenschaftlichen Forschungsstand offensichtlich nicht befasst."

Die unterschiedliche verkehrsentlastende Wirkung der CarSharing-Varianten zeigt sich auch in anderen wissenschaftlichen Untersuchungen: Laut einer von der Freien Hansestadt Bremen in Auftrag gegebenen Studie ersetzt in Bremen ein stationsbasiertes CarSharing-Fahrzeug sieben private Pkw. Die vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene Studie share ermittelt für das free-floating CarSharing in Frankfurt, Köln und Stuttgart hingegen Werte zwischen 1 zu 0,3 und 1 zu 0,8. Während das stationsbasierte CarSharing sein verkehrspolitisches Ziel also voll erreicht hat, kamen durch das Free-Floating am Ende mehr Autos auf die Straße. Nehrke meint deshalb:

"Die undifferenzierte negative Berichterstattung über das CarSharing ist auch ein Angriff auf jene CarSharing-Anbieter und CarSharing-Kund*innen, die heute schon einen bedeutenden Beitrag zur Verkehrswende leisten."

Stationsbasiertes CarSharing ist die in Deutschland am weitesten verbreitete CarSharing-Variante

Stationsbasiertes CarSharing ist derzeit an 740 Orten in Deutschland verfügbar. Reine free-floating Angebote gibt es in sieben Metropolen und einigen wenigen Umlandgemeinden dieser Großstädte. Die geografische Expansion des CarSharing wird von den stationsbasierten Angeboten getragen. Stationsbasierte und kombinierte Anbieter stellen etwa die Hälfte des Fahrzeug-Angebots im deutschen CarSharing. Diese verkehrsentlastenden CarSharing-Systeme sind also keine Randerscheinung im deutschen CarSharing-Markt. Auf vielen lokalen Märkten sind sie Marktführer.

Mittelständische CarSharing-Anbieter arbeiten seit vielen Jahren wirtschaftlich tragfähig – und liegen auch im Kundenurteil vorn

In letzter Zeit mehren sich leider auch Berichte über die angebliche geringe wirtschaftliche Tragfähigkeit des CarSharing. Tatsächlich sind die großen Free-floating-Angebote der Automobilhersteller wahrscheinlich keine besonders profitablen Investments. Die mittelständischen CarSharing-Anbieter in Deutschland, wie stadtmobil, cambio, book-n-drive und teilAuto, arbeiten hingegen seit Jahrzehnten wirtschaftlich tragfähig. Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverband CarSharing e.V. kommentiert:

„Mittelständische CarSharing-Anbieter wie stadtmobil, cambio, book-n-drive oder teilAuto haben seit langem gelernt, wie man trotz niedriger Margen eine wirtschaftlich tragfähige Dienstleistung zu niedrigen Preisen anbietet.“

Dass die Leistung der stationsbasierten und kombinierten Anbieter auch aus Kundensicht stimmt, zeigt ein Blick auf die Kundenzufriedenheit: In der STARS-Studie sind CarSharing-Nutzer*innen, die alle Varianten kennen, mit den stationsbasierten und kombinierten Angeboten besonders zufrieden. 85 Prozent der Befragten loben die Fahrzeug-Verfügbarkeit, immerhin 65 Prozent sind auch mit den Preisen zufrieden.

Link: STARS-Studie

Link: bcs-Stellungnahme zu „The Demystification of Car Sharing“ von A.T. Kearney