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Kommunale Förderung

Gute Beispiele der CarSharing-Förderung in Kommunen

Kommunale Förderung

Es gibt viele Möglichkeiten, CarSharing zu fördern: Bereitstellung von CarSharing-Stellplätzen im öffentlichen Straßenraum, Starthilfe für ein erstes CarSharing-Angebot, Ausbau eines Lankreises zur CarSharing-Modellregion. Auf einer Fachtagung des bcs stellten Vertreter von Kommunen und CarSharing-Anbietern Best-Practice-Beispiele vor.

Bremen: Vorreiter bei der Einrichtung von CarSharing-Stationen im öffentlichen Raum (Foto: cambio Bremen)

CarSharing in Flensburg: Wirtschaftliche Tragfähigkeit in Rekordzeit erreicht

CarSharing führt zur Abschaffung privater Pkw und fördert ein multimodales Verkehrsverhalten. Es ist daher auch eine gute Maßnahme, um die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu senken. In Flensburg wurde die Einführung eines CarSharing-Angebots 2013 als Maßnahme im Klimaschutzplan der Stadt verankert. Carsten Redlich, Geschäftsführer von cambio Flensburg, berichtete auf der bcs-Fachtagung über das von seinem Unternehmen und der städtischen Klimaschutzinitiative in Flensburg gemeinsam entwickelte CarSharing-Konzept und die Erfolge bei der Umsetzung.

Schon seit 2008 gibt es in Flensburg den Klimapakt Flensburg e.V., eine Plattform für gemeinsame Maßnahmen zum Klimschutz in der Region. Dem Klimapakt gehören neben den Stadtvertretern auch die Nord-Ostsee Sparkasse, das örtliche Verkehrsunternehmen, die IHK sowie ein Wohnungsunternehmen an. Im Jahr 2012 wurde eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, ein CarSharing-Konzept zu entwickeln. Nach einer ersten Marktabschätzung wurden zwischen September 2013 und Februar 2014 mehrere CarSharing-Anbieter im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens eingeladen, ihre Vorstellungen für den Start eines CarSharing-Angebots in Flensburg zu unterbreiten. Ziel sollte dabei sein, von Anfang an mit einer öffentlich wahrnehmbaren Fahrzeugzahl zu arbeiten und eine sinnvolle räumliche Abdeckung mit CarSharing-Stationen in der Kernstadt zu erreichen. Aus dem Verfahren ging die Firma cambio als Sieger hervor.

Das CarSharing-Konzept für Flensburg sah vor, dass zunächst die Partner des Klimabündnisses hauptsächliche Träger des CarSharing-Angebots in der Stadt sein sollten. Sie sagten zu, ihre Dienstfahrten in Zukunft (auch) über das CarSharing-Angebot abzudecken und so eine Grundauslastung der Fahrzeuge zu garantieren. Dafür bekam jeder Partner eine CarSharing-Station vor seiner Haustür eingerichtet. Die Fahrzeuge an den Stationen sollten jeweils den Partnern zur dienstlichen Nutzung zur Verfügung stehen und gleichzeitig öffentlich sein für die umgebende Wohnbevölkerung. Die Partner verpflichteten sich darüber hinaus, zwei Jahre lang diejenigen Fahrzeugfixkosten zu garantieren, die nicht über Nutzungsentgelte eingefahren werden würden.

2015 startete cambio sein CarSharing-Angebot in Flensburg mit zehn Fahrzeugen an fünf Stationen in der knapp 90.000 Einwohner zählenden Stadt. Der Start des Angebots wurde mit ansprechender Werbung im ÖPNV, an Haltestellen, im Rathaus und in der Schalterhalle der Sparkasse begleitet. Diese konzertierte Aktion zeigte schnell Wirkung: Im Monat des Starts wurde nur etwas mehr als die Hälfte der zugesagten Umsatzgarantie zur Deckung der Kosten wirklich benötigt. Danach vielen die Garantiezahlungen auf monatlich durchschnittlich 15 Prozent der zugesagten Höhe. Schon im zweiten Jahr des Betriebs wurde in Monaten ohne Kapazitätsaufbau im CarSharing die volle wirtschaftliche Tragfähigkeit erreicht.

Anfang 2017 waren - nach nicht einmal zwei Jahren Laufzeit - bereits über 700 Flensburger zum CarSharing angemeldet. Die tägliche zeitliche Auslastung der Fahrzeuge erreicht mit 7,5 Stunden Größenordnungen, wie sie sonst nur von gut eingeführten CarSharing-Angeboten in Großstädten bekannt sind. Die Zahl der CarSharing-Fahrzeuge ist auf mittlerweile 14 gestiegen, die an insgesamt 6 Stationen bereitstehen.

CarSharing-Erfolg in Flensburg (Quelle: Carsten Redlich/cambio CarSharing)

Und auch die Partner des Klimabündnisses profitierten vom CarSharing: Die Sparkasse konnte sieben eigene Poolfahrzeuge durch zwei dienstlich genutzte CarSharing-Fahrzeuge ersetzen. Die Stadtverwaltung Flensburg hat durch die CarSharing-Teilnahme ihre Kosten für dienstliche Autofahrten von über 1,00 € pro Kilometer auf unter 0,30 € pro Kilometer gesenkt. In 2017 sollen weitere vier Poolfahrzeuge der Sparkasse abgeschafft und die Fahrten mit CarSharing-Fahrzeugen durchgeführt werden.

PDF: Präsentation Carsten Redlich, Flensburg: Erfolgreiche Starthilfe für CarSharing in Kooperation mit der lokalen Klimaschutzinitiative

Aktueller Pressebeitrag zum Flensburger CarSharing: Flensburger Tageblatt, CarSharing weiter auf der Erfolgsspur

Köln fördert CarSharing durch die Vergabe von Stellplätzen im öffentlichen Raum und integrierte Mobilitäts-Konzepte

In Köln sind derzeit sechs CarSharing-Anbieter mit ca. 1.150 Fahrzeugen tätig, vier mit einem stationsbasierten und zwei mit einem stationsunabhängigen Angebot. Die Verkehrsplanung in der deutlich wachsenden Großstadt hat sich die Aufgabe gestellt, den Anteil des Autoverkehrs an der täglichen Verkehrsmittelnutzung von heute ca. 40 Prozent auf 33 Prozent im Zeitraum bis 2025/2030 abzusenken. CarSharing mit seinem Ersetzungspotenzial für private Pkw soll dabei helfen. Dass dies durchaus gelingen kann, hat der bcs 2016 für Köln in seiner Untersuchung „CarSharing im innerstädtischen Raum – eine Wirkungsanalyse“ nachgewiesen. Für den innenstadtnahen Stadtbezirk Klettenberg/Sülz wurde im Rahmen der Studie eine Autoersetzungsquote von 18 privaten Pkw pro CarSharing-Fahrzeug ermittelt. Klaus Harzendorf, Amtsleiter im Amt für Straßen und Verkehrstechnik der Stadt Köln, stellt auf der bcs-Fachtagung den integrierten Ansatz der Stadt vor, um eine Mobilität jenseits des Pkw-Besitzes zu fördern.

Durch Ratsbeschluss dürfen in Köln stationsbasierte CarSharing-Anbieter Fahrzeuge an reservierten Stationen im öffentlichen Straßenraum abstellen, jedoch maximal 15 % ihrer Fahrzeugflotte. Die übrigen Fahrzeuge werden nach wie vor auf privaten Flächen platziert. Genehmigt werden diese Stationen im öffentlichen Straßenraum durch die Straßenbaubehörde über Sondernutzung gemäß § 18 StrWG NW. Begleitende Maßnahmen sind die allmähliche Ausweitung der Bewohnerparkzonen sowie die Verknüpfung der Verkehrsträger des Umweltverbundes an ausgewählten Mobilitätsstationen, bei denen die CarSharing-Angebote unterschiedlicher Anbieter Zugang haben. Harzendorf betont in diesem Zusammenhang den gemeinsamen Beitrag von CarSharing-Förderung und Parkraummanagement zur Verkehrsentlastung der Stadt.

CarSharing-Stationen und Bewohnerparkzonen (in Betrieb und geplant) im Kölner Stadtgebiet (Quelle: Klaus Harzendorf, Stadt Köln)

Neben Stationen im öffentlichen Straßenraum fördert die Stadt auch den Bau von CarSharing-Stationen auf privaten Flächen: In Neubauprojekte integrierte CarSharing-Stationen werden auf den geforderten Stellplatzschlüssel angerechnet. 10 Prozent der eigentlich geforderten Stellplätze müssen dann nicht errichtet werden. Ziel der Stadt ist es hier, integrierte multimodale Konzepte umzusetzen. Neben dem CarSharing-Stationen sollen möglichst auch Rad-Abstellanlagen entstehen und Mieter können Mietertickets für den ÖPNV erhalten.

PDF: Präsentation Klaus Harzendorf, Stadt Köln: CarSharing-Förderung in Köln

 

Freiburg: Flächendeckende Einrichtung von 134 CarSharing-Stationen im öffentlichen Raum

Im Oktober 2012 hat die Stadt Freiburg einen CarSharing-Aktionsplan beschlossen, der die übergeordneten Verkehrsziele der Stadt unterstützen soll. Ein Ziel des Aktionsplans ist es, die ausschließlich stationsbasierten CarSharing-Angebote der Stadt sichtbarer und damit auch für Nicht-Kunden wahrnehmbarer zu machen. Da das städtische Rechtsamt Sondernutzung als Grundlage für die Genehmigung von Stellplätzen im öffentlichen Straßenraum als nicht gangbar ausgeschlossen hat, griff die Verkehrsplanung auf das Mittel der Bauleitplanung zurück. Als neuen, im Bundesgebiet erstmals begangenen Schritt beschloss das Stadtparlament, einen stadtweiten Bebauungsplan aufzustellen, der einzig das Ziel hatte, im Kernbereich der Stadt, in dem 90 % der Stadtbevölkerung leben, CarSharing-Stellplätze flächendeckend auszuweisen. Aus öffentlichen Flächen werden damit private Flächen in städtischer Hand. Auf der bcs-Fachtagung berichtete Dr. Peter Schick, zuständiger Verkehrsplaner der Stadt, von diesem Verfahren, dass zu einer systematischen und flächendeckenden Ausweisung von CarSharing-Stationen in Freiburg geführt hat.

Freiburg: CarSharing-Stellplätze an Stationen und auf privatem Grund (Grafik: Stadt Freiburg)

In einer Bestandsaufnahme ermittelte das Planungsamt zunächst das CarSharing-Potenzial für jeden Stadtbezirk. Dann wurden im öffentlichen Straßenraum geeignete Flächen für Stellplätze von zwei bis vier CarSharing-Fahrzeugen gesucht. Darüber hinaus wurden einzelne größere Mobilpunkte geplant. Als Resultat entstand eine Liste von 134 Standorten für CarSharing-Stationen im öffentlichen Raum mit insgesamt 449 Stellplätzen.

In einem Vergabeverfahren im Frühjahr 2015 wurden interessierte CarSharing-Anbieter der Region aufgefordert, ihre Wünsche für die Inanspruchnahme der ausgewiesenen Stellplätze abzugeben. Die Anmeldung konkreter Wünsche wurde als Interessenbekundungsverfahren mit Einigungstermin organisiert. Dabei legte die Stadt Wert darauf, dass die CarSharing-Anbieter nicht nur die Rosinen aus dem stadtweiten Plan herauspickten, sondern auch weniger interessante Stadtquartiere mit bedachten, damit auch dort eine CarSharing-Entwicklung eintreten konnte. Die Stellplätze wurden mit einer Mindestmietdauer von fünf Jahren vergeben. Die Anbieter wurden aufgefordert, sich im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens auf die Verteilung der Stellplätze und Stationen untereinander zu einigen. In Konfliktfällen sollte das Los entscheiden, es kam aber in allen Fällen zu einer einvernehmlichen Einigung.

CarSharing-Station in Freiburg (Foto: my-e-car)

Im Juli 2015 wurden die ersten Standorte in Freiburg eröffnet. Bis heute sind 68 CarSharing-Standorte mit 190 CarSharing-Fahrzeugen im öffentlichen Straßenraum entstanden. In den nächsten Jahren sollen die weiteren Standorte bedarfsabhängig umgesetzt werden. Die Stellplätze werden auf Kosten der Stadt mit einem wiedererkennbaren Stellplatzschild und einer grünen Markierung auf dem Boden versehen. Das Stellplatzschild enthält den Hinweis auf den Privatparkplatz und die Möglichkeit des Abschleppens bei Zuwiderhandeln durch nicht berechtigte Autofahrer. Pro erstellter CarSharing-Station hat die Stadt Freiburg 1.000 Euro aufgewendet. Die Flächen werden von der Stadt vermietet, wobei die monatlichen Mietpreise je nach Lage gestaffelt sind.

In hohem Maße beispielgebend für die Umsetzung von Stellplätze über die im Carsharinggesetz ermöglichte Sondernutzung ist der Freiburger Weg bezüglich der Potenzialabschätzung durch die Stadt, der Verteilung der Standorte im Raum und dem möglichst einfachen Vergabeverfahren als Interessensbekundungsverfahren mit Einigungstermin. Als vielleicht zu personal- und zeitintensiv wird von Dr. Schick im Rückblick der Weg über das Bebauungsplanverfahren eingestuft.

PDF: Präsentation Dr. Peter Schick, Stadt Freiburg: Flächenhaftes CarSharing-Stellplatzkonzept in Freiburg

 

Landkreis Ebersberg: Modellregion für flächendeckendes CarSharing im ländlichen Raum

Der Landkreis Ebersberg gehört zu den kleinsten Landkreisen Deutschlands und zählt 134.000 Einwohner. Neben der Stadt Ebersberg gehören 20 weitere Gemeinden zum Landkreis. 2012 hat der Landkreis Ebersberg einstimmig sein Gesamtmobilitätskonzept 2030 „Mehr Mobilität mit weniger Verkehr“ beschlossen. Ein Bestandteil davon ist ein kreisweites CarSharing-Entwicklungskonzept. Dessen Zielsetzung ist, bis 2030 im gesamten Landkreis ein wirtschaftlich tragfähiges, flächendeckendes CarSharing-Angebot aufzubauen. In jedem Ort und Gemeindeteil mit mehr als 1.000 Einwohnern soll CarSharing zur Verfügung gestellt werden. Jeder Landkreisbewohner soll in einer Entfernung von maximal 1.000 Metern um die eigene Wohnung auf mindestens zwei CarSharing-Fahrzeuge zugreifen können. 10 Prozent der Bevölkerung, so das Konzept, sollen bis 2030 die CarSharing-Angebote nutzen.

Von diesem ehrgeizigen Plan und seiner Umsetzung berichten auf der bcs-Fachtagung Landrat Robert Niedergesäß und Klaus Breindl, Vorstand der Vaterstettener Autoteiler.

In neun Gemeinden des Landkreises Ebersberg besteht heute bereits ein CarSharing-Angebot, das von einem der acht eigenständigen CarSharing-Vereine organisiert wird. Damit hat der Landkreis Ebersberg die größte Dichte von CarSharing-Anbietern unter allen Landkreisen in Deutschland. 1,2 Prozent der Führerscheininhaber im Landkreis sind fahrtberechtigt in einem CarSharing-Verein. Das älteste CarSharing-Angebot des Landkreises befindet sich in Vaterstetten. Der dortige CarSharing-Verein hat in vielerlei Hinsicht Initialfunktion in der Region und darüber hinaus ausübt. Gegründet 1992 stellt der weitgehend ehrenamtlich organisierte Verein den 23.000 Einwohnern der Gemeinde Vaterstetten heute 20 CarSharing-Fahrzeuge zur Verfügung. Daneben hat der Verein vor langer Zeit bereits ein Buchungssystem für kleine CarSharing-Anbieter entwickelt, das bundesweit von ca. 35 kleinen Anbietern in Anspruch genommen wird.

CarSharing-Vereine im Landkreis Ebersberg (Grafik: MVV 2016)

Zur Förderung der lokalen CarSharing-Initiativen wird auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen zurückgegriffen, die jeweils den lokalen Gegebenheiten angepasst sind:

  • finanzielle Starthilfe für neue CarSharing-Angebote (durch den Landkreis, durch externe Fördergeber, durch die gegenseitige Hilfe von anderen CarSharing-Vereinen),
  • Nutzung der CarSharing-Angebote für Dienstfahrten kommunaler Mitarbeiter,
  • Bereitstellung von kommunalen Fahrzeugen als öffentliche CarSharing-Fahrzeuge außerhalb der Dienstzeiten,
  • logistische Unterstützung (beim Anlegen eines Stellplatzes),
  • ideelle Unterstützung (durch Öffentlichkeitsarbeit, bei Versammlungen im Rathaus, durch Pressetermine mit Bürgermeistern).

Der Landkreis ist auf dem besten Wege, seine Vorstellungen als Modellregion für flächendeckendes CarSharing in einem ländlich strukturierten Raum umzusetzen. Damit dient er auch als Vorbild für andere CarSharing-Gründer in Kleinstädten und Gemeinden.

PDF: Robert Niedergesäß/Klaus Breindl: CarSharing-Förderung in kleinen Städten und Gemeinden - Das Beispiel der CarSharing-Modellregion Landkreis Ebersberg

 

Warum überhaupt CarSharing-Förderung? In einer Studie hat der Bundesverband CarSharing e.V. nachgewiesen, dass ein CarSharing-Fahrzeug bis zu 20 private Pkw ersetzt. Dadurch befreit CarSharing öffentliche Flächen von überflüssigen Autos und fördert ein multimodales Mobilitätsverhalten. Mehr Informationen zur bcs-Studie finden Sie hier.