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Ist CarSharing das Richtige für mich?

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Wer nur hin und wieder ein Auto braucht, für den ist CarSharing günstiger als ein eigenes Auto. Doch welches Angebot passt zu welchen Bedürfnissen? Wir geben einen Überblick und vergleichen die Preise.

Zunächst sollte jeder klären: Ist CarSharing grundsätzlich das Richtige für mich? Drei Grundreglen gelten dafür:

  • Vom CarSharing profitiert nur, wer mit dem Auto keine täglichen Wege zurücklegen muss. Braucht man das Auto beispielsweise für die Fahrt zu Arbeit, dann macht CarSharing meist keinen Sinn.
  • Die jährliche Fahrleistung sollte 10.000 km - also rund 27 Kilometer pro Tag - nicht überschreiten. Bei höheren Fahrleistungen ist CarSharing oft teurer als ein eigenes Auto.
  • CarSharing lohnt sich vor allem für jene, die auch Bus, Bahn und das Fahrrad nutzen können und wollen.

Sie erfüllen diese Grundvoraussetzungen? Dann stellt sich jetzt die Frage, welches CarSharing für Sie richtig ist. Denn CarSharing ist nicht gleich CarSharing. Die verschiedenen Varianten passen zu unterschiedlichen Bedürfnissen unterschiedlich gut.

Etabliert haben sich in Deutschland zwei Carsharing-Varianten: Beim stationsbasierten CarSharing stehen die Autos auf einem festen Parkplatz. Man holt den Wagen dort ab, nach der Fahrt bringt man ihn dorthin zurück. Gebucht wird über Telefon, Computer oder Smartphone-App. Anbieter sind zum Beispiel: stadtmobil, cambio, Flinkster, teilAuto, StattAuto, book-n-drive. Insgesamt gibt es etwa 145 Anbieter an 540 Orten in Deutschland.

Beim free-floating CarSharing stehen die Autos irgendwo in der Stadt geparkt. Man ortet sie über eine Handy-App. Nach der Fahrt kann man den Wagen irgendwo innerhalb des Nutzungsgebiets wieder abstellen. Diese Variante ist teurer als das stationsbasierte CarSharing, ermöglicht allerdings auch One-way-Fahrten. Bekannte Anbieter sind DriveNow und car2go. Deren Fahrzeuge gibt es jedoch nur in den wirklich großen Großstädte, wie Berlin, Hamburg und München.

Vor- und Nachteile der CarSharing-Varianten

Preis

Stationsbasiertes CarSharing ist günstiger. Eine Stunde Kleinwagen fahren in der Stadt kostet bei stationsbasierten Anbietern etwa 4 bis 8 Euro. Beim Free-floating kostet die Stunde zwischen 14 und 19 Euro. Benzin ist bei allen Anbietern inklusive.

Hier ein Preisbeispiel für Wege, die häufig mit dem Auto zurückgelegt werden:

Preisvergleich stationsbasiertes und free-floating CarSharing. Berechnet wurde jeweils der Preis der günstigsten Fahrt mit einem Kleinwagen im Standard- oder Basic-Tarif eines ausgewählten Anbieters ohne Rabatte inklusive Paket- und Tages-Preise. Erhebungsort: Frankfurt aM. Erhebungszeitpunkt: Januar 2017 (Grafik: bcs)

Verfügbarkeit

Free-floating Fahrzeuge stehen nicht an festen Orten, sondern dort, wo der letzte Nutzer sie abgestellt hat. Manchmal ist das gleich um die Ecke, manchmal ist das nächste Fahrzeug aber auch zwei Kilometer entfernt. Stationsbasierte Angebote sind berechenbarer: Das Auto steht immer am selben Ort. Bequem ist das allerdings nur, wenn eine Station auch in der Nähe des eigenen Wohnortes liegt.

Buchung

Bei stationsbasierten Fahrzeugen müssen in der Regel Start- und Endzeitpunkt der Fahrt vorher festgelegt werden. Das erfordert einen gewissen Planungsaufwand. Anders beim Free-floating: Hier muss das Ende der Buchung nicht vorher bestimmt werden. Der Nachteil daran: Die Fahrzeuge können nicht reserviert werden. Wer mehrere Stunden, Tage oder Wochen im Voraus planen will, sollte daher auf ein stationsbasiertes Fahrzeug setzen. Einige Anbieter lassen für ausgewählte stationsbasierte Fahrzeuge auch Open-end-Buchungen zu.

Fahrtrouten

Stationsbasierte Fahrzeuge müssen immer zum Ausgangsort zurück. Man sollte also einen Anbieter wählen, der Fahrzeuge nah am eigenen Wohnort stationiert hat. Einfach stehenlassen, wie beim Free-floating, kann man stationsbasierte Fahrzeuge nicht. Auch One-way-Fahrten sind nur mit den Free-floatern möglich.

Fuhrpark

Free-floating Anbieter beschränken ihre Fahrzeugpalette zumeist auf Klein- und Mittelklasse-Pkw. Stationsbasierte Anbieter haben in aller Regel vom Kleinwagen bis zum Transporter für jeden Zweck das richtige Fahrzeug im Portfolio.

Kann ich auch beides haben?

Eine stationsbasierte Anbieter betreiben in einigen Städten kombinierte Systeme. Hier fahren stationsbasierte und free-floatende Fahrzeuge in einem einheitlichen Tarif, der sich an den günstigen Preisen der stationsbasierten Fahrzeuge orientiert. Kombiniertes CarSharing gibt es in Hannover, Mannheim und Heidelberg (alle stadtmobil), im Frankfurter Großraum (book-n-drive), in Osnabrück (StadtTeilAuto) und in Kiel (Stattauto).

In den meisten größeren Städten wie Berlin, Hamburg und München gibt es zwar keine kombinierten Systeme. Aber man kann sich hier natürlich bei einem stationsbasierten Anbieter und den free-floating Anbietern zugleich anmelden und so selbst kombinieren.

Gesamtbewertung

Stationsbasierte Fahrzeuge eignen sich vor allem für geplante Wege: Den Wochenend-Einkauf, die Fahrt zu Ikea, Ausflüge am Wochenende oder Besuche bei Freunden und Familie. Wegen des günstigen Preises kann man ein stationsbasiertes Fahrzeug auch mal fürs ganze Wochenende oder sogar für den Urlaub ausleihen.

Free-floatende Fahrzeuge sind besonders für kurze Spontanfahrten innerhalb der Stadt geeignet. Wer möchte, kann  Free-floating auch mal für den Hinweg zur Party am Abend nutzen, oder für den Weg zur Arbeit, wenn der Bus ausgefallen ist. Die Nutzung von free-floatenden Fahrzeugen kann ins Geld gehen, besonders bei längeren Fahrten. Die kombinierten Anbieter bieten Free-floating deutlich günstiger. Und Achtung: Außerhalb der von den Anbietern definierten Geschäftsgebiete sind One-way Fahrten auch bei Free-floatern nicht möglich.

Um seine Bedürfnisse flexibel abdecken zu können, lohnt es sich, sowohl für das stationsbasierte als auch für das free-floating CarSharing angemeldet zu sein.

(Grafik: bcs)