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bcs-Studie

Stationsbasiertes CarSharing in Berlin wirkt deutlich verkehrsentlastend

bcs-Studie

Der bcs hat in einer aktuellen Studie die verkehrsentlastende Wirkung von stationsbasiertem CarSharing und verwandten Angebotsformen in Berlin untersucht. Die betrachteten CarSharing-Angebote reduzieren den privaten Autobesitz und verhindern Pkw-Neuanschaffungen. Sie sollten deshalb durch das Land Berlin aktiv gefördert werden.

Quellen: S-F/shutterstock.com, stadtmobil, cambio/Andreas Schoelzel, Oply

Befragt wurden in der Studie 1.249 Kund*innen der CarSharing-Anbieter cambio, stadtmobil und Oply in Berlin. Diese Anbieter stellen ihre Fahrzeuge gezielt an festen Plätzen oder in Homezones in der Nähe des Wohnorts der jeweiligen Kund*innen bereit. Die Fahrzeuge sind nicht an ein Geschäftsgebiet gebunden, sie müssen am Ende der Fahrt allerdings wieder zum Bereitstellungsort zurückgebracht werden. Dieser Angebotszuschnitt orientiert sich stark an den Nutzungsmustern eines privaten Pkw. Er unterscheidet sich vom Zuschnitt des free-floating CarSharing, wie es vor allem große Automobilhersteller in Berlin anbieten.

Stationsbasiertes CarSharing wirkt verkehrsentlastend

In den Haushalten, die stationsbasiertes CarSharing oder Homezone-CarSharing nutzen, ist der Bestand an privaten Pkw, verglichen mit dem Bestand kurz vor der Anmeldung zum CarSharing, um 53 Prozent zurückgegangen. 84 Prozent der Kund*innen besitzen heute gar kein eigenes Auto mehr. Zum Vergleich: In der Berliner Gesamtbevölkerung besitzen rund 40 Prozent aller Haushalte keinen privaten Pkw, in der inneren Stadt sind es 53 Prozent. Die CarSharing-Kund*innen sind demnach deutlich häufiger „autofrei“ als der Bevölkerungsdurchschnitt. Der Bundesverband CarSharing e.V. sieht aus diesem Grund ein erhebliches Potenzial für eine autoärmere Stadt durch die möglichst flächendeckende Bereitstellung stationsbasierter und verwandter CarSharing-Angebote. Verbandsgeschäftsführer Gunnar Nehrke fordert dafür die Unterstützung der Politik:

„Fahrzeuge des stationsbasierten CarSharing dürfen heute nur in Ausnahmefällen im öffentlichen Raum bereitgestellt werden. Notwendig wäre die flächendeckende Ausweisung von anbieterspezifisch zugeordneten CarSharing-Stellplätzen im öffentlichen Raum. Viele andere Bundesländer haben diese Gesetzeslücke bereits geschlossen.“

Eine Mehrheit der Kund*innen betrachtet das CarSharing-Angebot als vollwertigen Ersatz für ein eigenes Auto

65 Prozent der befragten Kund*innen stimmen der Aussage ganz oder größtenteils zu, dass CarSharing ein vollwertiger Ersatz für ein eigenes Auto sei. Nur 13 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Und auch für Familien sind die untersuchten CarSharing-Angebote offenbar geeignet: 55 Prozent der Befragten haben in ihrem Haushalt Kinder unter 18 Jahren. Verbandsgeschäftsführer Nehrke meint:

„Stationsbasiertes CarSharing und Homezone-CarSharing sind gezielt auf klassische Pkw-Nutzungszwecke zugeschnitten - etwa Einkäufe und Ausflüge. Deswegen braucht die große Mehrheit der Nutzer*innen auch langfristig kein eigenes Auto.“

Stationsbasiertes CarSharing verhindert in erheblichem Umfang Pkw-Neuanschaffungen

Neben der konkreten Abschaffung privater Pkw tragen stationsbasiertes CarSharing und Homezone-CarSharing erheblich dazu bei, dass private Haushalte keine neuen Pkw anschaffen: Gäbe es gar kein CarSharing mehr, dann würde die Zahl privater Pkw in den Haushalten sich nach Einschätzung der Befragten gegenüber dem heutigen Wert fast verdreifachen. Nehrke kommentiert:

„Auch in einer durch ÖPNV und Radwege gut erschlossenen Stadt haben die Haushalte einen Restbedarf an Pkw-Mobilität. Wenn jeder sich dafür ein Auto anschafft, ist das völlig ineffizient. CarSharing bündelt die Pkw-Nachfrage vieler Haushalte auf wenigen Fahrzeugen. Das schafft Platz auf den Straßen für Radfahrer, Fußgänger, Bus und Bahn.“

Ebenfalls positiv: Die untersuchten CarSharing-Angebote werden nur selten genutzt

57 Prozent der befragten Kund*innen haben ein Fahrzeug von cambio, stadtmobil oder Oply in den letzten zwölf Monaten seltener als monatlich oder gar nicht genutzt. Nur 43 Prozent sitzen einmal im Monat oder öfter in einem CarSharing-Auto dieser Anbieter. Verbandsgeschäftsführer Nehrke sieht darin eine Bestätigung, dass stationsbasiertes CarSharing und Homezone-CarSharing den Umweltverbund auf die richtige Weise ergänzen:

„CarSharing sollte kein Konsumprodukt sein, dass möglichst oft an möglichst viele Haushalte verkauft wird. Im Vordergrund der städtischen Mobilität sollen Fahrrad, Zufußgehen, Bus und Bahn stehen. CarSharing hat eine ergänzende Funktion.“

Nehrke betont, dass die Geschäftsmodelle der stationsbasierten CarSharing-Anbieter in jahrelanger Feinarbeit auf diese Grundidee hin optimiert wurden. Die Fähigkeit der Anbieter, wirtschaftlich tragfähig zu bleiben, obwohl viele Kunden das Angebot nur sporadisch nutzen, sei das Ergebnis dieser Anstrengungen.

Weitere Informationen zur Studie des Bundesverband CarSharing e.V. in Berlin finden Sie hier.

Pressebilder und Grafiken zum Download finden Sie hier.

Fakten zum CarSharing in Berlin:

Vorherrschend ist in Berlin das free-floating CarSharing mit rund 5.300 bereitgestellten Fahrzeugen. Stationsbasierte und Homezone-Anbieter stellen in Berlin rund 750 Fahrzeuge bereit. Anbieter des free-floating CarSharing in Berlin sind: ShareNow (Daimler/BMW), We Share (Volkswagen), Sixt share und Miles. Anbieter der stationsbasierten CarSharing-Varianten sind: Flinkster, cambio, stadtmobil, Greenwheels, Ubeeqo. Homezone-CarSharing bietet der Anbieter Oply an. Die Fahrzeuge der Free-floating und Homezone-Anbieter dürfen im öffentlichen Straßenraum bereitgestellt werden. Für Fahrzeuge der stationsbasierten Anbieter gilt das aus rechtlichen Gründen nicht. In Berlin gibt es einige teilentwidmeten Parkflächen für CarSharing im öffentlichen Raum, die jedoch nicht anbieterspezifisch zugeordnet sind und sich daher für stationsbasiertes CarSharing kaum eignen. Daher stehen die stationsbasierten CarSharing-Fahrzeuge zumeist auf privaten Flächen abseits der öffentlichen Straßen. Sie sind aus diesem Grund für Nicht-Kunden oft nicht sichtbar. Die Bundesländer können dies durch eine Änderung ihrer Landesstraßengesetzgebung auf Basis des seit 2017 verabschiedeten Carsharinggesetzes (CsgG) der Bundesregierung ändern. In Berlin existiert eine solche Regelung bisher jedoch nicht.

Kurzinfo über die CarSharing-Varianten:

Beim stationsbasierten CarSharing stehen die Autos möglichst wohnortnah auf einem festen Parkplatz. Kund*innen holen den Wagen dort ab, nach der Fahrt bringen sie ihn dorthin zurück. Nur bei dieser Variante sind Reservierungen mehrere Wochen im Voraus möglich. Stationsbasiertes CarSharing ist die preisgünstigste CarSharing-Variante. Diese Variante deckt vor allem klassische Pkw-Nutzungszwecke ab, wie beispielsweise Großeinkäufe, Ausflüge oder Besuche bei Freunden und Verwandten. Die Fahrzeuge sind nicht an ein Geschäftsgebiet gebunden, es sind jedoch auch keine innerstädtischen One-Way-Fahrten möglich. Stationsbasiertes CarSharing ist in 740 Städten und Gemeinden in Deutschland verfügbar. Die größten Anbieter deutschlandweit sind: stadtmobil, cambio, teilAuto, book-n-drive, Flinkster.

Eng verwandt mit dem stationsbasierten CarSharing ist das Homezone-CarSharing, bei dem die Fahrzeuge in quartiersbezogen definierten Gebieten bereitgestellt werden und nach der Nutzung hierhin zurückkehren müssen. Die Firma Oply setzt ganz auf dieses Modell. Einige stationsbasierte Anbieter betreiben parallel zu ihrem sonstigen Angebot auch Fahrzeuge in der Homezone-Variante.

Beim free-floating CarSharing stehen die Autos irgendwo innerhalb eines möglichst stadtweiten Geschäftsgebiets geparkt. Nutzer orten und buchen die Fahrzeuge über das Smartphone. Nach der Fahrt stellen sie den Wagen irgendwo innerhalb des definierten Geschäftsgebiets wieder ab. Reservierungen im Voraus sind nicht möglich. Free-floating CarSharing ermöglicht jedoch One-way-Fahrten innerhalb des definierten Bereichs. Die Preise liegen meist über denen des stationsbasierten CarSharing. Free-floating wird vielfach für innerstädtische Kurzfahrten oder Zubringfahrten zu Flughäfen und Bahnhöfen genutzt. Diese CarSharing-Variante ist vorwiegend in sieben Metropolen in Deutschland zu finden. Der größte Anbieter ist Share Now (Daimler/BMW), gefolgt von Sixt share und We share (Volkswagen).

In letzter Zeit haben sich auch kombinierte CarSharing-Angebote etabliert, die stationsbasierte und free-floatende Fahrzeuge aus einer Hand anbieten. Kombinierte Angebote gibt es beispielsweise in Hannover, Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg (stadtmobil), Frankfurt am Main (book-n-drive) und Leipzig (teilAuto).