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Nationaler CarSharing-Aktionsplan

CarSharing könnte mehr zur Entlastung der Städte beitragen - die Politik muss bessere Rahmenbedingungen schaffen

Nationaler CarSharing-Aktionsplan

Der Bundesverband CarSharing e. V. (bcs) nimmt als Dachverband der deutschen Anbieter die Brancheninteressen gegenüber Regierung und Gesetzgeber wahr. In dieser Funktion hat er in Abstimmung mit seinen Mitgliedern den „Nationalen Entwicklungsplan CarSharing“ beschlossen. Die dort beschriebenen Erwartungen an die Politik wurden am 29.03.2012 in Berlin während eines Parlamentarischen Abends vorgestellt. Auch wenn mit dem Papier gezielt die Bundesebene adressiert wurde, kann der Großteil der Erwartungen in vergleichbarer Weise auch von der Landesebene oder im Rahmen eines kommunalen CarSharing-Aktionsplans umgesetzt werden.

10.04.2012

Dicht zugeparkte Straßen beeinträchtigen den Aufenthalt in den Wohnstraßen. Der Autoverkehr hat seine Aufgaben beim Klimaschutz bei Weitem nicht erfüllt: Immer mehr zugelassene Autos lassen die geringeren CO2-Ausstöße der einzelnen Fahrzeuge zum Großteil ins Leere laufen. Diese Aufgabenliste einer zukünftigen Verkehrspolitik ließe sich noch fortsetzen.

CarSharing könnte die Lösung der Verkehrsprobleme in den überlasteten städtischen Straßenräumen sein.

CarSharing ist die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen. Es ist ein immer wichtiger werdender Baustein eines umweltentlastenden zukünftigen Mobilitätssystems. Vernetzt mit dem Umweltverbund aus Bus, Bahn, Fahrrad und Fußwegen leistet es einen nachhaltigen Beitrag zur Entlastung der dicht zugeparkten Straßen und verbessert die Umweltbilanz der Städte. Jedes CarSharing-Fahrzeug ersetzt zwischen vier und acht Privatwagen, in Einzelfällen an besonders exponierten Stationen werden auch noch mehr Privatwagen ersetzt. Damit werden Spielräume geschaffen, die von der Stadtplanung für die Verschönerung der Städte genutzt werden können. Andere Autofahrer freuen sich über den geringeren Parkdruck in den Wohnstraßen.

Anfang 2012 waren 220.000 Kunden bei den CarSharing-Anbietern registriert. Ihnen stehen 5.600 Fahrzeuge an CarSharing-Stationen in 309 deutschen Städten und Gemeinden zur Verfügung. Zusätzlich haben zum Stichtag 01.01.2012 die neuen Anbieter aus der Autoindustrie weitere 1.500 Fahrzeuge in vier deutschen Großstädten in den Markt gebracht. Sie operieren größtenteils ohne feste Stationen, bei ihnen sind weitere 42.000 Fahrtberechtigte eingeschrieben.

Die CarSharing-Anbieter in Deutschland könnten diese Entlastungspotenziale noch besser als bisher zur Entlastung der Umwelt umsetzen, wenn die nationale Verkehrs- und Umweltpolitik die Rahmenbedingungen der CarSharing-Entwicklung verbessern würde. Von anderen europäischen Ländern, beispielsweise Großbritannien (und hier besonders der Großraum London) oder Belgien, geht eine deutlich höhere Dynamik des CarSharing-Wachstums aus. Hier ist als ein Erfolgskriterium die politische Unterstützung der Politik auf Bundes- oder Regionalebene zu nennen.

Der Bundesverband CarSharing e. V. (bcs) nimmt als Dachverband der deutschen Anbieter die Brancheninteressen gegenüber Regierung und Gesetzgeber wahr. In dieser Funktion hat er in Abstimmung mit seinen Mitgliedern den „Nationalen Entwicklungsplan CarSharing“ beschlossen. Die dort beschriebenen Erwartungen an die Politik wurden am 29.03.2012 in Berlin während eines Parlamentarischen Abends vorgestellt. Auch wenn mit dem Papier gezielt die Bundesebene adressiert wurde, kann der Großteil der Erwartungen in vergleichbarer Weise auch von der Landesebene oder im Rahmen eines städtischen CarSharing-Aktionsplans wie in Bremen auch von der kommunalen Ebene umgesetzt werden.

Auszugsweise werden einige Erwartungen an die Politik aufgezählt:

  • In nationale Klimaschutzprogramme, nationale Verkehrskonzepte und nationale Förderprogramme wird CarSharing als geeignete Entlastungsmaßnahme aufgenommen.
  • Nationale Informations- und Imagekampagnen der zuständigen Bundesministerien informieren über die Funktionsweise und die einfache Handhabung des CarSharing. Neben der dringend notwendigen Informationsvermittlung im Konkreten werden damit noch bestehende Zugangshemmnisse in der breiten Bevölkerung abgebaut.
  • Bundes- und Landesbehörden sollten prüfen, wie sie CarSharing als Verkehrsmittel für ihre eigene dienstliche Mobilität einsetzen könnten. Im Gegenzug werden CarSharing-Stationen an geeigneten Behördenstandorten eingerichtet.
  • Viele CarSharing-Anbieter können in dicht besiedelten Stadtvierteln nicht dort Fahrzeugstationen einrichten, wo die Kunden sie am dringendsten benötigen, weil dort keine privaten Flächen mehr zur Verfügung stehen (siehe Grafiken unten mit Beispiel aus Frankfurt am Main). Hier wirkt sich das Fehlen einer gesicherten Rechtsgrundlage zugunsten von reservierten CarSharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum als nachweisbares Wachstumshemmnis aus. Viele Stadtverwaltungen warten bereits seit Längerem darauf, dass sie CarSharing-Stellplätze im öffentlichen Straßenraum ausweisen dürfen. Hier sind Bundesregierung und Regierungskoalition im Zugzwang.
  • Um ein verstärktes Fahrzeugwachstum zu ermöglichen, sollte ein zinsgünstiges Kreditprogramm beispielsweise der KfW-Bank aufgelegt werden, das CarSharing-Anbietern für einen definierten Zeitraum für ihre Wachstumsinvestitionen zur Verfügung steht.
  • Außerdem sollte ein Starthilfeprogramm die Gründung neuer CarSharing-Vereine in kleinen Städten erleichtern, um von staatlicher Seite das CarSharing-Wachstum in der Fläche zu unterstützen. In diesen Regionen abseits der Großstädte sind keine großen, professionellen Anbieter tätig. Jedoch beweisen die erfolgreichen CarSharing-Vereine seit vielen Jahren, dass auch in diesen Räumen durchaus eine nennenswerte Entwicklung stattfindet, wenn die Anfangshürden überwunden werden.

Bei aller Aufmerksamkeit für die Großstädte und die neuen Anbieter legt der bcs Wert darauf, dass die Vielfalt der Anbieter gleichermaßen bedacht wird und von den gewünschten Fördermaßnahmen profitiert. Nur so wird auch in Zukunft ein allmähliches Ausbreiten der Angebote in weitere Städte und Gemeinden stattfinden.

Frankfurt Nordend, stadtmobil

Frankfurt Nordend, book-n-drive

Abbildungen: Stationsdarstellung und Kundenzahlen Ende 2010 der CarSharing-Anbieter Stadtmobil Rhein-Main (links) und book-n-drive (rechts) im Frankfurter Nordend. Beide Anbieter haben Probleme, private Flächen für CarSharing-Stationen im Stadtteil anzumieten. Das Ergebnis ist, dass die Ferne der Stationen zu den (potenziellen) Kunden unattraktiv ist. Beide Anbieter konnten in diesem Stadtteil nur halb bis ein Drittel so viele Kunden anwerben (bezogen auf die Gesamtzahl der Anwohner) wie in anderen umliegenden urbanen „Szenestadtteilen“, in denen das Flächenproblem nicht so gravierend ist. 

Willi Loose

 

Download

PDF:  Nationaler Entwicklungsplan CarSharing, Langfassung 14.03.2012

PDF:  Nationaler Entwicklungsplan CarSharing, Kurzfassung_14.03.2012