CarSharing in Vancouver

Die Stadt Vancouver ist bekannt für ihre grünen Ideen und hat ambitionierte Pläne: 1971 wurde hier Greenpeace gegründet und bis 2020 will Vancouver die „grünste“ Stadt der Welt werden. CarSharing hat in Vancouver eine lange Tradition: Modo startete das erste stationsbasierte CarSharing-Angebot vor fast 20 Jahren. Auch das Free-Floating nach Vancouver und mittlerweile betreibt car2go hier die größte Flotte Nordamerikas.

von Lea Hoyer

CarSharing-Anbieter und Flottengröße in VancouverDie Idee des CarSharing als Alternative zum eigenen Pkw wurde in Vancouver erstmalig 1997 etabliert. Der erste CarSharing-Anbieter war die lokale Genossenschaft modo, die bis heute in Vancouver und Victoria ein stationsgebundenes Angebot betreibt. Inzwischen zählt Vancouver mit vier verschiedenen CarSharing-Anbietern (zwei im Bereich des stationsbasierten CarSharing, zwei free-floating Angebote) zu einer der CarSharing-Hauptstädte Kanadas. Neben modo kam im Jahr 2007 das global agierende Unternehmen Zipcar als zweiter Anbieter im stationsbasierten Bereich auf den lokalen Markt. Das Free-Floating- System von Daimler, car2go, stieg 2011 in den Markt in Vancouver ein und war bis zur Einführung von evo im Frühjahr 2015 der einzige Anbieter im Bereich des stationsunabhängigen CarSharing

car2go startete mit 300 Fahrzeugen und stockte die Fahrzeugflotte im Jahr 2015 dann massiv auf. Seitdem besitzt car2go mit 1.250 Fahrzeugen die mit Abstand größte Fahrzeugflotte in Nordamerika, welche im Stadtbild von Vancouver sehr präsent ist. Insgesamt gab es 2015 in Vancouver 2.230 CarSharing-Autos. Neben konventionell betriebenen Smarts und einigen Elektro-Smarts testet car2go seit Herbst 2015 in Vancouver mit der Mercedes-B-Klasse erstmals auch größere Fahrzeuge im Free-Floating-CarSharing. Mit der Einführung einer größeren Fahrzeugklasse wird zum einen der Kundenwunsch nach mehr Platz und Komfort erfüllt; zum anderen aber auch auf den Wettbewerbsdruck durch den neuen Free-Floating-Anbieter evo reagiert. Evo bietet mit dem Modell Toyota Prius Hybrid ein für stationsunabhängiges CarSharing vergleichbar großes Fahrzeug an und wirbt in Marketingkampagnen neben dem Freizeitgedanken sehr offensiv mit dem Vorteil, Personen und Gepäck befördern zu können.

CarSharing-Fahrzeug für Angestellte der Stadt VancouverNeben diversen lokalen Unternehmen nutzt auch die Stadtverwaltung von Vancouver das CarSharing-System zur Abwicklung von dienstlichen Fahrten. Eine fixe Anzahl an Fahrzeugen ist dabei ausschließlich für die Stadtverwaltung reserviert und speziell gebrandet, zur Spitzenabdeckung können die Angestellten der Stadt auch auf weitere Fahrzeuge des Anbieters modo zurückgreigen, die zentral auf einem Parkplatz am Rathaus stationiert sind.

Im Gegensatz zur im deutschen stationsbasierten CarSharing etablierten zweiteiligen Kostenstruktur (Kilometer- und Zeitpauschale) wird in Vancouver anhand eines Stundenpreises abgerechnet, in dem eine Kilometerpauschale von 200 Kilometer bereits enthalten ist. Als Gründe für diese Entscheidung wurden von den CarSharing-Unternehmen vor allem die Einfachheit und Verständlichkeit für den Kunden angeführt. Ein weiterer Unterschied ist das zeitlich etwas differenziertere Tarifsystem. So differenziert der CarSharing-Anbieter Zipcar beispielweise zwischen Buchungen an Werktagen und am Wochenende. Für Fahrzeuge derselben Fahrzeugklasse an Wochenenden werden bis zu 3 $ CAD (ca. 2 Euro) pro Stunde mehr berechnet.

Ähnlich wie in Deutschland besteht in Kanada derzeit keine rechtliche Regelung für das Abstellen von CarSharing-Fahrzeugen auf öffentlichen, bewirtschafteten Parkflächen. Die Stadt Vancouver erstellte 2011 den vielbeachteten „Greenest Action Plan“, mit dem Ziel bis zum Jahr 2020 die grünste, ökologischste und nachhaltigste Stadt der Welt zu werden. Diese politischen Rahmenbedingungen fördern das CarSharing in Vancouver. So wurde die Bauleitplanung zugunsten von CarSharing-Modellen modifiziert. Die Gesetzgebung ermuntert Bauherren nun, die normalerweise vorgeschriebene Anzahl an Stellplätzen für Privat-Pkw durch die Bereitstellung von CarSharing-Fahrzeugen abzulösen.

Die Free-Floating-Fahrzeuge der Anbieter car2go und evo dürfen nur auf nicht bewirtschafteten Stellflächen abgestellt werden. Es besteht allerdings die Möglichkeit Bewohnerparkausweise für die CarSharing-Fahrzeuge zu erwerben. Die Fahrzeuge sind dann berechtigt in allen Bewohnerparkzonen zu parken. Zudem können die Fahrzeuge dann auch kostenfrei auf den ab einer Parkdauer von über 2 Stunden bewirtschafteten Parkflächen abgestellt werden.

Parkschild für CarSharing-Fahrzeuge von modoFür die stationsbasierten Anbieter Zipcar und modo besteht zudem die Möglichkeit, reservierte Parkplätze am Straßenrand zu erwerben, die wiederum mittels einer eindeutigen Beschilderung ausgewiesen und so vor Fremdparkern geschützt werden. Die Kosten für einen Stellplatz variieren je nach Lage (Bewohnerparkzone oder Parkuhrenparkplatz). Weiterhin bekommen die CarSharing-Organisationen einen 30 % Rabatt auf Parkplätze in Parkhäusern des Betreibers Easypark.

Welche Faktoren begünstigen noch die positive CarSharing-Entwicklung in Vancouver? Mit 5.250 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Vancouver zu den dichtbesiedelten Städten in Kanada. Kanada verfügt über – im Vergleich zu anderen Nordamerikanischen Städten  - ein sehr gut ausgebautes Nahverkehrssystem. Dennoch gibt es auch an einigen Stellen Engpässe in der Versorgung. CarSharing deckt vor allem Fahrten im Freizeitbereich aber auch Tangentialbeziehungen ab, die der Bus oder der Skytrain nicht leisten kann. Als ein weiterer Erfolgsfaktor kann das Kriterium der Erschwinglichkeit angeführt werden. Da Vancouver im Hinblick auf Lebenshaltungskosten zu einer der teuersten Städte in Nordamerika zählt, haben viele Vancouverites das eigene Auto aus Kostengründen abgeschafft und sich stattdessen für eine Mitgliedschaft bei einem oder mehreren CarSharing-Anbietern entschieden.


Über die Autorin:

Lea Hoyer arbeitet seit 2011 bei Stadtteilauto Osnabrück. Stadtteilauto startete bereits 1994 stationsbasiertes CarSharing. Seit 2014 betreibt Stadtteilauto auch die free-floating Flotte flow>k, an dessen Aufbau Lea Hoyer beteiligt war. Sie verbrachte letztes Jahr einige Zeit in Kanada mit Hospitationen bei dem Anbieter modo und der Carsharing Association (CSA).