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4. Januar 2018

Was ist Kundennutzen im CarSharing?

Bild: cambio

Stationsbasiert oder Free-floating? Bei genauerer Analyse des Kundenutzens zeigt sich: Beide CarSharing-Varianten haben im Hinblick auf verschiedene Nutzungszwecke unterschiedliche Stärken und Schwächen. Ein grundsätzliches „Besser“ oder „Schlechter“ gibt es aus Kundensicht nicht.

Das wesentliche Merkmal des stationsbasierten CarSharing ist, dass Fahrzeuge an einem festen Ort – eben einer Station – stehen. Dort kann man sie abholen und dorthin müssen sie auch wieder zurückgebracht werden. Bei der free-floating Variante hingegen werden Fahrzeuge mit dem Smartphone geortet und nach der Fahrt innerhalb eines definierten Operationsgebiets abgestellt.

Oft heißt es, die zweite Variante sei flexibler, einfacher, komfortabler oder kurz gesagt „moderner“, als stationsbasierte Angebote. Das stimmt aber nicht; beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Zunächst ist da die Verlässlichkeit des Angebots. Natürlich klingt das Nutzungsszenario fürs Free-floating toll: Smartphone raus, Auto buchen, einsteigen, losfahren und am Zielort das Auto einfach stehen lassen. Aber die Sache hat ihre Tücken. Free-floatende Fahrzeuge kann man systembedingt höchstens 30 Minuten im Voraus reservieren. Es kann also immer sein, dass zum gewünschten Zeitpunkt gerade kein Auto in der Nähe verfügbar ist.

Die unklare Verfügbarkeit wird zum echten Problem, wenn man feste Termine hat oder an einem bestimmten Tag etwas transportieren will. Dann ist das stationsbasierte System verlässlicher, weil es Reservierungen Tage und Wochen im Voraus zulässt. Zudem weiß man beim stationsbasierten CarSharing exakt, wo sich das gebuchte Fahrzeug zum Buchungszeitpunkt befinden wird – nämlich an der Station. Kein Wunder also, dass in Kundenbefragungen das stationsbasierte CarSharing in Hinsicht auf Verfügbarkeit und Erreichbarkeit der Fahrzeuge besser bewertet wird.

So  bewerten Kunden die Erreichbarkeit und Verfügbarkeit verschiedener CarSharing-Angebote. Quelle: „CarSharing 2025 – Nische oder Mainstream?“, ifmo, 2016.

Stationsbasiertes CarSharing eignet sich also besser für geplante Wege, wie z.B. dem Einkauf im Möbelhaus, die Fahrt zu einem Termin oder für einen schon länger geplanten Ausflug. Free-floating Fahrzeuge eigenen sich besonders für spontane Fahrten oder Fahrten bei denen man den Rückgabezeitpunkt nicht bestimmen kann (oder will).

Und dann ist da noch der Preis: Wenn man stationsbasierte CarSharing-Angebote mit den free-floating Fahrzeugen von DriveNow und car2go vergleicht, zeigt sich ein sehr deutlicher Preisunterschied. Für einen Wochenendeinkauf mit einem stationsbasierten Fahrzeug zahlt man beispielsweise rund 6 Euro, bei car2go oder DriveNow fallen zwischen 18 und 29 Euro an.

Angesichts der Popularität der großen Free-floating Systeme ist dieser Preisunterschied durchaus problematisch. Denn wer als Neukunde über car2go & Co. ins CarSharing einsteigt, hat den Markt über das Hochpreis-Segment betreten. Und das kann ein völlig verzerrtes Bild davon ergeben, ob CarSharing alltagstauglich ist.

Preisvergleich stationsbasiertes CarSharing (stadtmobil) und Free-floating (car2go). Berechnet wurde jeweils der Preis der günstigsten Fahrt mit einem Kleinwagen im Standard- oder Basic-Tarif eines ausgewählten Anbieters ohne Rabatte inklusive Paket- und Tagespreise, sofern deren Nutzung vorteilhaft war. Erhebungsort: Frankfurt a.M. Erhebungszeitpunkt: November 2017 (Grafik: bcs)

Kombinierte Systeme: Maximaler Kundenutzen zum niedrigen Preis

Das free-floating CarSharing hat zwei entscheidende Vorteile: Zum einen muss man nicht bestimmen, wann man die Buchung beenden will. Man fährt einfach, solange es dauert. Zum anderen können free-floating Fahrzeuge One-way zwischen Start- und Zielort unterwegs sein, sind also quasi Selbstfahr-Taxis. Beides verschafft dem Free-floating gegenüber den stationsbasierten Fahrzeugen einen Vorteil, wenn es um die Bequemlichkeit geht.

Das ist natürlich auch den stationsbasierten Anbietern nicht verborgen geblieben. In den vergangenen Jahren haben sich daher in verschiedenen deutschen Städten immer mehr sogenannte „kombinierte Systeme“ entwickelt. Erfunden hat diese Lösung 2011 stadtmobil Hannover. Heute gibt es solche Angebote von verschiedenen Anbietern auch in Frankfurt am Main, Mannheim, Heidelberg, Kiel, Osnabrück und Essen. Dort fahren stationsbasierte Fahrzeuge und free-floating Fahrzeuge zum selben, günstigen Tarif des stationsbasierten Anbieters oder zu sehr ähnlichen Preisen.

Kombinierte CarSharing-Systeme vereinen also das Beste aus zwei Welten, denn sie lassen endlich beides zu: Kurze, spontane One-way-Fahrten in der Stadt und den geplanten Ausflug zum Badesee oder den Großeinkauf mit dem stationsbasierten Fahrzeug. Damit können sie mehr, als reine stationsbasierte oder stationsunabhängige Angebote – und eben auch mehr, als der private Pkw.

Kombinierte CarSharing-Angebote verbinden das Beste aus zwei Welten. (Grafik: bcs, nach Vorlage von stadtmobil Rhein-Neckar)