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Geschichte

CarSharing gibt es in Deutschland seit 1988. In diesem Jahr wurde in Berlin ein Projekt namens stadt-Auto gegründet, aus dem 1990 Deutschlands erste „richtige“ CarSharing-Firma, die STATTAUTO GmbH, hervorging. Heute gibt es in ganz Deutschland rund 150 CarSharing-Organisationen. Sie bieten CarSharing an rund 600 verschiedenen Orten im ganzen Bundesgebiet an. Die Spannweite reicht vom kleinen CarSharing-Verein über Genossenschaften und mittelständische Firmen bis hin zu den Ablegern multinationaler Konzerne.

Kunden zeigen das CarSharing-Prinzip, Aachen 1997 (Foto: Hans-Jürgen Serwe/cambio Aachen)

1988

In Berlin wird stadt-Auto gegründet. Das CarSharing-Projekt entsteht im Rahmen einer Doktorarbeit, die Gründer Markus Petersen an der Technischen Universität Berlin schreibt.

1990

Aus stadt-Auto wird die STATTAUTO GmbH, Deutschlands erstes CarSharing-Unternehmen. Im selben Jahr gründen sich auch Stadtteilauto Aachen (heute cambio Aachen) und Stadtauto Bremen (heute cambio Bremen).

1991

Der CarSharing-Gedanke verbreitet sich in ganz Deutschland. Neu gegründet werden Stattauto Hamburg, die Freiburger AutoMobil Gemeinschaft, das Umweltforum Dortmund, Stadtauto Düsseldorf, Stattauto Kassel, Stattauto Gießen, Stattauto Franken und die Carsharing-Genossenschaft Deutschland in Frankfurt am Main. Nach dem Zeitalter der Studentenbewegung und der Proteste gegen die autoorientierte Stadt geht es vielen Machern nun darum, die ökologische Kritik mit konkretem Gestalten zu verbinden. Das Magazin der Spiegel schreibt 1990 in einem Bericht: "Die Pkw-Gemeinschaftsnutzer sind die Realos unter den Autofeinden."

1992

Das Magazin Öko-Test zählt in Deutschland bereits 36 CarSharing-Initiativen.

1994

Es gibt 69 CarSharing-Anbieter in Deutschland. Fast alle sind Vereine. Das Berliner Vorbild einer Unternehmensgründung bleibt zunächst ein Einzelfall. Die Idee der Selbstorganisation, teilweise verbunden mit basisdemokratischen Ansprüchen, steht für viele Pioniere im Vordergrund.

1996

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) als Alternative zum ADAC wird gegründet. Dessen Ortsgruppen, Kreis- und Landesverbände sind vielfach Geburtshelfer weiterer CarSharing-Initiativen. Viele CarSharing-Anbieter der ersten Stunde sind mittlerweile stark gewachsen und stoßen zunehmend an die Grenzen ihrer oft ehrenamtlichen oder halb ehrenamtlichen Strukturen. Es folgt eine Welle von Firmengründungen und Zusammenschlüssen mit dem Ziel, sich zu professionalisieren.

1998

Der Bundesverband CarSharing e.V. als Zusammenschluss zweier Vorgängerverbände (ecs-d und boa) wird gegründet.

Die STATTAUTO Car Sharing GmbH Berlin und die StattAuto Hamburg Car Sharing GmbH fusionieren zur StattAuto Carsharing AG. Das neu entstandene Unternehmen expandiert stark. Die Kosten und Risiken des Zusammenschlusses und eines rasanten Wachstums werden aber unterschätzt. 2005 wird das schon seit 2000 insolvenzbedrohte Unternehmen an die niederländische Collect Car B.V. (Greenwheels) verkauft.

1999

Der Unternehmensverbund stadtmobil als Zusammenschluss der CarSharing-Vereine in Stuttgart, Pforzheim, Karlsruhe und der Rhein-Neckar Region wird gegründet. Die stadtmobil-Gruppe ist heute der größte stationsbasierte CarSharing-Anbieter in Deutschland.

2000

Gründung der cambio Mobilitätsservice GmbH & Co. KG als Zusammenschluss und zentraler Dienstleister für CarSharing-Anbieter in Aachen, Bremen und Köln. cambio ist heute der zweitgrößte Anbieter von stationsbasiertem CarSharing in Deutschland.

2001

Die Deutsche Bahn startet ihr CarSharing-Angebot "DB CarSharing" (heute Flinkster) in Frankfurt am Main und Berlin. Die DB Rent GmbH als Betreiber bietet auch anderen CarSharing-Anbietern ein Franchise-Modell mit einer bundesweit einheitliche Tarifstruktur, einem internetbasiertes Marketing-Portal, einer Buchungsplattform sowie einem Kompetenzzzentrum für Back-Office-Dienste an. Von der Initiative der Bahn gehen Impulse für die technsiche Fortentwicklung der Back-Office-Systeme bei anderen Anbietern aus. Heute bieten drei große Systemdienstleister in Deutschland CarSharing Buchungsplattformen an: Flinkster, cambio sowie der Systemdienstleister der stadtmobil-Gruppe cantamen.

2009

In Ulm startet Daimler Benz im Testbetrieb das erste free-floating CarSharing Deutschlands unter dem Namen car2go. 2011 folgt in Berlin ein vergleichbares Projekt von BMW unter dem Namen DriveNow. Beide Anbieter expandieren rasant und entwickeln sich innerhalb weniger Jahre zu den größten CarSharing-Anbietern in Deutschland. Flächenmäßig bleiben reine free-floating Angebote allerdings auf wenige Großstädte beschränkt.

2012

In Hannover geht das erste kombinierte free-floating/stationsbasiert System an den Start. Unter dem Namen "stadtflitzer" bietet stadtmobil hier zusätzlich zu den bereits seit langem existierenden Stationen 30 free-floatende Fahrzeuge an. Der Kunde kann nun wählen, welchen CarSharing-Typ er jeweils für seine Fahrt bevorzugt. Es folgen weitere kombinierte Angebote von stadtmobil und anderen Anbietern in Osnabrück, Mannheim, Heidelberg und Kiel. Das größte kombinierte System betreibt derzeit der Anbieter book-n-drive in der Rhein-Main Region.

2015

Die Kundenzahl im deutschen CarSharing überschreitet die 1-Million-Marke. Zum 01.01.2015 zählt der Bundesverband CarSharing 1.040.000 Kunden in Deutschland. Ihnen stehen 15.400 Fahrzeuge in 490 Städten und Gemeinden zur Verfügung.

2016

Die Bundesregierung verabschiedet am 21.12.2016 ein Gesetz, dass es Städten und Kommunen ermöglicht, CarSharing-Stellplätze im öffentlichen Raum rechtssicher einzurichten. Der dem Allgemeinwohl dienende Charakter des CarSharing wird damit erstmals gesetzlich anerkannt. Das Gesetz passiert am 30.03.2017 den Deutschen Bundestag.