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Wie Verkehrsunternehmen und CarSharing-Anbieter zusammenarbeiten

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Die Kooperationen zwischen CarSharing-Unternehmen und den ÖPNV-Unternehmen sind in den letzten Jahren nicht nur stetig mehr geworden, auch die Angebote haben sich verbessert. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Kooperationsmöglichkeiten unterschiedlichster Art. Auf welche Inhalte sich die Zusammenarbeit bezieht, beschreiben wir im Folgenden.

08.01.2015

CarSharing und ÖPNV ergänzen sich (Bild: stadtmobil Stuttgart)

Inhalte der Zusammenarbeit

Detailliertere Informationen dazu finden Sie in dem Buch „Car-Sharing und ÖPNV – Entlastungspotenziale durch vernetzte Angebote“, das der bcs im Frühjahr 2012 gemeinsam mit Michael Glotz-Richter vom Bremer Umwelt-Senat herausgegeben hat. Seit Drucklegung sind eine Reihe von Kooperationsangeboten hinzugekommen, die alle dazu beitragen, ein möglichst umfassendes Mobilitätsangebot anzubieten.

Gemeinsame Tarifangebote

Die häufigste Form von Kooperation zwischen ÖPNV und CarSharing-Anbietern sind ermäßigte CarSharing-Tarife für Kunden des ÖPNV. Diese Ermäßigungen sind zumeist an den Besitz eines ÖPNV-Abonnements geknüpft. Es gibt sie nicht nur bei allen großen CarSharing-Anbietern wie cambio oder stadtmobil, sondern auch bei vielen kleineren.

  • In Aschaffenburg zahlen Kundenkarteninhaber der AVG sowie Jahreskartenkunden der VAB nur 9,00 Euro Anmeldegebühr (statt 59,00 Euro) und die Kaution liegt bei nur 99,00 Euro (statt 199 Euro). Außerdem erhalten die Abonnenten die Möglichkeit, das Angebot drei Monate lang auszuprobieren und zahlen in dieser Zeit weder Monatsbeitrag noch Aufnahmegebühr.

Es gibt auch Kooperationen, bei denen man ohne Abonnement bei einem Verkehrsunternehmen Vorteile beim örtlichen CarSharing-Anbieter erhält.

  • Bei der Stattauto eG (Sitz in Kiel und Lübeck) erhalten Inhaber der SH-Card 25 % Rabatt auf die Aufnahmegebühr, die sonst 100,00 Euro beträgt. Die SH-Card kostet 27,50 Euro pro Jahr und bietet 25 % Rabatt auf die Einzelfahrscheine des Schleswig-Holstein-Tarifs. Sie ist auch für Abonnenten interessant, wenn sie außerhalb ihrer normalen Routen fahren und dann Einzeltickets benötigen. Der Preis der SH-Card für Abonnenten beträgt nur 5,00 Euro.

Vorzugskonditionen für CarSharing-Nutzer bei Verkehrsunternehmen

Diese Form der Zusammenarbeit ist seltener zu finden.

  • Kunden der cambio Aachen, die zum ersten Mal ein Abonnement bei der ASEAG (Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG) abschließen, erhalten zum Start des Abos vorab einen Monat kostenloses Fahren im gesamten AVV-Gebiet und können zudem davor in einer kostenlosen Schnupperwoche entscheiden, ob ein Abo für sie die richtige Lösung ist.
  • Kunden der stadtmobil Rhein-Neckar AG können ein Jobticket beziehen, das normalerweise nur über den Arbeitgeber ausgegeben wird. stadtmobil fungiert hier als fiktiver "Arbeitgeber" und zahlt den Arbeitgeber-Anteil (berechnet anhand der bezugsberechtigten Kunden und umgelegt auf die tatsächlich beziehenden Kunden) an die RNV (der Verkehrsverbund im Rhein-Neckar-Kreis). Dieser Betrag wird von stadtmobil an den jeweiligen Kunden weiterberechnet. Den Arbeitnehmeranteil überweist der Kunde direkt an die RNV. Diese etwas kompliziert klingende Konstruktion ermöglicht es, dass die stadtmobil-Kunden das Job-Ticket nutzen können, das etwa 15 Prozent günstiger ist als das preiswerteste Verbundticket und zudem abends und am Wochenende eine Mitnahmeregelung für weitere Personen bietet.

Gegenseitige Vergünstigungen

In einigen Städten werben sowohl die Verkehrsunternehmen als auch die CarSharing-Anbieter mit Vergünstigungen um die gemeinsame Klientel der ÖPNV-Nutzer mit zeitweisem Autobedarf.

  • In Leverkusen gibt es „wupsimobil“, ein Zusatzangebot der Kraftverkehr Wuppertal Sieg (wupsi) für ihre Abonnenten. Dieses Angebot hat eine eigene Seite im Internetauftritt der wupsi. Kunden von Flexicar können ein SchnupperAbo für 3 Monate abschließen. Das Abo bietet eine Preisersparnis von bis zu 14 Prozent gegenüber dem gleichen Ticket im freien Verkauf. Für Abonnenten der wupsi entfällt die Aufnahmegebühr bei der Flexicar GmbH komplett (regulär 26,00 Euro) und auch das Pflicht-Darlehen wird nur in halber Höhe erhoben (150,00 statt 300,00 Euro). Der Monatsbeitrag ist um 3,00 Euro günstiger als ohne Abonnement.
  • In Halle und Leipzig erhalten Abo-Kunden des MDV (Mitteldeutscher Verkehrsverbund GmbH) bei Nutzung von ÖPNV und CarSharing einen monatlichen Nachlass von 4,00 Euro auf den Abo-Betrag, das entspricht einer Ersparnis von 48,00 Euro im Jahr. Außerdem verringert sich der Monatsgrundpreis bei teilAuto auf 5,00 Euro, was ebenfalls einer Ersparnis von 48,00 Euro im Jahr entspricht. Der sonst bei teilAuto übliche Startpreis von 25,00 Euro entfällt komplett und die Kaution wird von 100 Euro auf 50 Euro gesenkt.

Mobilpakete

Zunehmend kommen auch sog. Mobilitätskarten zum Einsatz, die die Nutzung verschiedener Angebote mit einer Chipkarte ermöglichen. Sie werden in der Regel von den Verkehrsunternehmen ausgegeben und fungieren nicht nur als Monats- oder Jahresticket im Nahverkehr, sondern dienen auch als Zugangskarte für CarSharing und Leihräder. So ein eTicket gibt es z. B. im Rhein-Main-Verkehrsverbund.

  • HANNOVERmobil, das Angebot des GVH ist eine Zusatzoption zum Abonnement, mit der für monatlich 7,95 Euro nicht nur die CarSharing-Nutzung erworben wird (79,00 Euro Aufnahmegebühr und Kaution entfallen komplett), sondern auch die bargeldlose Taxi-Nutzung mit 20% Rabatt enthalten ist. Des Weiteren ist ein Gutschein für eine BahnCard 25 enthalten (Ersparnis 57,00 Euro) sowie Rabatte bei der Nutzung von HERTZ-Autos. All diese Angebote gibt es aus einer Hand, mit einer Karte. Die Angebote des Mobilpakets können bargeldlos genutzt werden, die Nutzungskosten werden im nachfolgenden Monat mit einer Mobilrechnung in Rechnung gestellt.
  • Die Deutsche Bahn bietet in Berlin im Rahmen eines Förderprojektes die Kombinutzung von ÖPNV, CarSharing mit elektrischen und konventionell betriebenen Fahrzeugen und dem Leihfahrrad an.
  • Auch in Düsseldorf wurde ein gemeinsames Mobilpaket entwickelt, das sowohl die ÖPNV-Nutzung als auch die Nutzung der nicht stationsbasierten CarSharing-Angebote als auch des Leihfahrrads in der Stadt beinhaltet. Allerdings hat das Mobilpaket dort bisher nur eine geringe Nachfrage erfahren.

Gemeinsamer Vertrieb

Verkehrsunternehmen verfügen in der Regel über zentral gelegene Anlaufstellen für ihre Kunden, in denen sie auch Informationen über die eigene Ticketpalette hinaus bereithalten. An vielen Orten gehört das Werbematerial des örtlichen CarSharing-Anbieters inzwischen ganz selbstverständlich mit zu den dort bereitgehaltenen Informationsmaterialien. Darüber hinaus bieten manche Kundencenter auch persönliche Informationen über und Beratungen zu CarSharing an:

  • In Darmstadt informieren und beraten Mitarbeiter des RMV (Rhein-Main Verkehrsverbund) in der Mobilitätszentrale zum CarSharing-Angebot der book-n-drive mobilitätssysteme GmbH.

Einen Schritt weiter gehen Kooperationen, bei denen das Verkehrsunternehmen dem örtlichen CarSharing-Anbieter zeitweise einen Arbeitsplatz im Kundencenter zur Verfügung stellt. So ist dann neben Information und Beratung auch gleich der Abschluss eines Vertrages möglich. Die Kundencenter der ÖPNV-Unternehmen sind häufig zentral gelegen, während sich insbesondere kleinere CarSharing-Anbieter keine teuren Räumlichkeiten in zentraler Lage leisten können.

  • In Münster ist zweimal pro Woche für je 3 Stunden ein Mitarbeiter von Stadtteilauto CarSharing Münster GmbH bei „mobilé“, der Verkaufsstelle der Stadtwerke Münster GmbH, präsent und steht für Beratungen und Vertragsabschlüsse zur Verfügung.

Doch die Zusammenarbeit kann noch einen Schritt weitergehen, wenn das Verkehrsunternehmen z. B. in Schwachlastzeiten seine personellen Ressourcen zur Verfügung stellt:

  • Im Verbundbüro Biberach der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund-GmbH (DING) schließen DING-Mitarbeiter Verträge für teilauto Biberach e.V. ab. Der Verein muss so keine eigenen Mitarbeiter für diese Aufgabe binden.

Weitere gemeinsame Marketingaktivitäten

Etliche Verkehrsunternehmen veröffentlichen in Ihren Fahrplanheften oder Liniennetzplänen eine kostenlose Anzeige für das örtliche CarSharing-Unternehmen oder sie stellen einen Teil der Werbeflächen in Bussen und Bahnen für CarSharing-Werbung zur Verfügung. In Osnabrück und Pforzheim dient auch die Außenseite eines Busses als Werbefläche für CarSharing. Ebenso findet man auf den Internetseiten von Verkehrsunternehmen immer häufiger Informationen zu CarSharing mit einem Link zum lokalen Anbieter.

  • Der Münchener Verkehrsverbund MVV hat Ende 2012 einen Flyer zum „umweltfreundlichen Doppel“ CarSharing und ÖPNV aufgelegt.

Weitere Marketinginstrumente der Verkehrsunternehmen sind Newsletter oder persönliche Anschreiben an die Abonnenten, in denen auf das örtliche CarSharing-Angebot hingewiesen wird. Denn viele Abonnenten sind potentielle CarSharing-Kunden (und umgekehrt).

CarSharing-Hinweise an Haltestellen und in Plänen

Häufig hängen an den Haltestellen des ÖPNV nicht nur Fahrpläne mit den Abfahrtszeiten aus, sondern zur Erleichterung der Orientierung auch Umgebungspläne, in denen die nächstgelegene CarSharing-Station ausgewiesen ist oder es gibt einen Hinweis am Haltestellschild. Gleiches gilt für Umgebungspläne im Internet. Einige CarSharing-Anbieter weisen umgekehrt in ihren Plänen jeweils auch die nächste ÖPNV-Haltestelle aus.

Joint Venture

Diese am weitesten gehende Zusammenarbeit zwischen einem Verkehrsunternehmen und einem CarSharing-Anbieter gibt es in Deutschland derzeit nur in Osnabrück, wo die Stadtwerke Osnabrück AG mit dem CarSharing-Anbieter Stattverkehr Osnabrück e.V. am 01.07.2011 eine gemeinsame GmbH zur Organisation des CarSharing gegründet hat, die StadtTeilAuto OS GmbH.