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CarSharing fact sheet Nr. 3

Wirkung verschiedener CarSharing-Varianten auf Verkehr und Mobilitätsverhalten

CarSharing fact sheet Nr. 3

CarSharing führt zur Abschaffung privater Pkw und fördert den Umweltverbund. Aber wirken die verschiedenen CarSharing-Varianten in gleicher Weise? In 2015 und 2016 sind die Ergebnisse mehrerer umfassender Studien veröffentlich worden. Zusammengenommen liefern sie einen guten Überblick über die Wirkung der verschiedenen CarSharing-Varianten auf Autobesitz und Mobilitätsverhalten.

CarSharing-Kunden nutzen häufiger den Umweltverbund (Fotos: links istockphoto/stuti, mitte bcs, rechts istockphoto/skynesher)
Unterschiedliche Nutzung = unterschiedliche Entlastungsleistung?

Zwei CarSharing-Varianten haben sich in Deutschland etabliert. Beim stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf festen Stellplätzen, bisher meist auf privatem Grund. Kunden holen sie dort ab, nach der Fahrt bringen sie sie wieder dorthin zurück. Bei der zweiten CarSharing-Variante, dem free-floating CarSharing stehen die Fahrzeuge innerhalb eines Geschäftsgebiets frei verteilt im Straßenraum und werden mit Hilfe des Smartphones geortet und gebucht. Beide Varianten weisen unterschiedliche Nutzungsmuster auf: Fahrten im reinen Free-floating sind, sowohl was die Buchungszeiten als auch was die gefahrenen Kilometer betrifft, deutlich kürzer als Fahrten mit stationsbasierten Fahrzeugen.

Während die Unterschiede in den Nutzungsmustern seit längerem bekannt sind, war bisher nicht systematisch untersucht, ob beide Varianten auch eine unterschiedliche Auswirkung auf das Mobilitätsverhalten der Nutzer und die Entlastungswirkung der Dienstleistung haben. Neue Studien machen es nun möglich, die CarSharing-Varianten im Vergleich zu betrachten.

Das Fazit: Die CarSharing-Varianten stationsbasiert und free-floating werden von den Kunden nicht nur unterschiedlich genutzt, sie sind unter verkehrspolitischen Gesichtspunkten auch unterschiedlich wirksam.

Kunden stationsbasierter CarSharing-Systeme schaffen mehr eigene Fahrzeuge ab und sind deutlich öfter autofrei als Kunden des free-floating CarSharing. Kunden stationsbasierter Systeme nutzen daher auch den ÖPNV öfter und reduzieren die Zahl der mit dem Pkw zurückgelegten Wege stärker.

Autofreie Haushalte in verschiedenen CarSharing-Systemen; Quellen: WiMobil (Gundlage DriveNow: Befragte der 2. Befragungswelle 2015, Grundlage Flinkster: Befragte der 1. Befragungswelle 2014), bcs 2016, Carplus 2015/2016 (Grafik: bcs)

Free-floating CarSharing hingegen erreicht heute deutlich mehr Kunden als stationsbasierte Systeme und kann deshalb seinen niedrigeren Wirkungsgrad durch höhere Kunden-Reichweite kompensieren. So kommt es auch, dass free-floating Systeme heute in einigen Städten rein rechnerisch mehr private Pkw von der Straße holen als stationsbasierte Systeme.

Free-floating Systeme ziehen offensichtlich Haushalte, die am privaten Autobesitz festhalten, stärker an. Stationsbasierte Systeme sprechen demgegenüber stärker Kunden an, die auf das eigene Auto verzichten. Das könnte mit den unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten der Fahrzeuge in beiden Systemen zusammenhängen. Stationsbasiertes CarSharing bietet verschiedene Fahrzeuge für verschiedene Wegezwecke in einem Tarifmodell, das die Kosten des privaten Pkw meist unterbietet. Es zielt daher von vornherein auf die Ersetzung des privaten Pkw. Eine parallele Nutzung zum eigenen Pkw lohnt sich für den Kunden hingegen nur, wenn ein Zweitwagen ersetzt wird. Free-floating CarSharing deckt durch den Angebotszuschnitt (Tarif, Operationsgebiet, Fahrzeuge) nicht das ganze Spektrum der Wegezwecke ab. Es macht aber zusätzlich One-Way Fahrten möglich. Diese Eigenschaft macht das Free-floating möglicherweise auch parallel zum Besitz eines eigenen Fahrzeugs für viele Haushalte attraktiv.

 

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PDF: CarSharing fact sheet Nr. 3 "Wirkung verschiedener CarSharing-Varianten auf Verkehr und Mobilitätsverhalten"

Gedruckte Exemplare des fact sheets können kostenlos in der Geschäftsstelle des bcs bestellt werden.